Voest übernimmt Erzberg nicht zur Gänze

1. Juli 2004, 16:32
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Stiftungsmodell sieht nur Teilverkauf vor - Voest: "Berg ist unsere eiserne Reserve" - Stiftungsvertrag soll bis 17. September stehen

Erzberg geht nur zum Teil an die Voest

Stiftungsmodell sieht nur Teilverkauf vor - Voest: "Berg ist unsere eiserne Reserve" - Stiftungsvertrag soll bis 17. September stehen

Wien - Die geplante Stiftungslösung für den steirischen Erzberg, von der Staatsholding ÖIAG am Dienstag überraschend ins Spiel gebracht, sieht nur einen Teilverkauf an die voestalpine vor.

"Eiserne Reserve"

Eine Minderheitsbeteiligung an der VA Erzberg GmbH hält der börsenotierte Stahlkonzern für ausreichend. "Ziel ist, dass wir den Erzberg als Rohstoffquelle so lange wie möglich nutzen können und kein Dritter rankommt", erklärte Voest-Sprecher Wilhelm Nitterl. "Der Berg ist unsere eiserne Reserve."

In welchem Ausmaß sich die Voest an der VA Erzberg GmbH beteiligen will, wollte Nitterl unter Hinweis auf die laufenden Gespräche mit der ÖIAG nicht beziffern.

Gegenüber der APA räumte er allerdings ein, dass es nicht die Mehrheit sei, aber zumindest eine Sperrminorität: "Dafür werden wir der ÖIAG ein angemessenes Entgelt zahlen." Über die Höhe hüllte sich Nitterl in Schweigen.

Bis zur Erschöpfung

Angedacht ist im Privatisierungskonzept des ÖIAG-Vorstands, dass die ÖIAG und die Voest ihre jeweiligen Anteile und damit die gesamte VA Erzberg GmbH in eine Stiftung einbringen. Wie Nitterl erläuterte, werde die Stiftung erst dann aufgelöst, wenn die Erzreserven erschöpft sind: "Danach geht der Berg an das Land Steiermark."

Wie von der Staatsholding angestrebt soll das Land den Begünstigten der Stiftung stellen. Damit soll laut ÖIAG sichergestellt werden, dass der Erzberg für die Steiermark langfristig als "Kultur-, Arbeits- und Naturdenkmal" erhalten bleibt.

Mit der Stiftungslösung könne das Land nach dem Ende des Bergbaus - voraussichtlich in 10 bis 15 Jahren - die Vermarktung der Erzberg-Region übernehmen, hieß es seitens der ÖIAG.

230 Mitarbeiter

Die VA Erzberg GmbH beschäftigt 230 Mitarbeiter, im Vorjahr setzte das Unternehmen rund 23 Mio. Euro um. Der Erzberg, steirisches Wahrzeichen, deckt etwa ein Viertel des jährlichen Eisenerz-Bedarfs der Voest. Bis Ende 2007 hat der Linzer Stahlkonzern einen 5-Jahresvertrag für die Schürfrechte laufen.

Bei der angepeilten Stiftungslösung kann die Voest diesen Vertrag nochmals verlängern, ohne dass ein Konkurrent einsteigt, und hätte damit auch nach dem Jahr 2007 Zugriff auf die Rohstoffreserven des Erzbergs.

Wie berichtet will die ÖIAG den Stiftungsvertrag, für den zur Zeit Details ausverhandelt werden, noch vor der nächsten Sitzung des Aufsichtsrats am 17. September, also noch in diesem Sommer, unter Dach und Fach haben.

Einen kontrollierenden Einfluss wird die Voest laut Nitterl weder in der Stiftung noch in der VA Erzberg GmbH haben. Vorgesehen sei, dass die Stiftung aus 3 Vorständen und einem Beirat aus 4 Personen besteht. Die voestalpine selbst werde nur im Beirat - mit zwei Leuten - vertreten sein. (APA)

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