BBC plant arabischsprachigen TV-Kanal: Sender soll Al Jazeera Konkurrenz machen

1. Juli 2004, 23:22
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Nach Kelly-Affäre: Strengere Regeln für Berichterstattung

Die britische BBC plant laut einem Pressebericht die Gründung eines Fernsehkanals in arabischer Sprache für den Nahen Osten. Die Idee stamme vom britischen Außenministerium, welches sich auch an der Finanzierung beteiligen wolle, berichtete die "Financial Times" (Donnerstagsausgabe). Das Programm solle dem katarischen TV-Sender Al Jazeera Konkurrenz machen, dessen Berichterstattung in London und Washington oft Verärgerung auslöse.

Die geplante TV-Station soll sich dem Bericht zufolge am Auslandsfernsehen des BBC World Service orientieren und von London aus senden. Dabei solle auf ein Korrespondentennetz im gesamten Nahen Osten zurückgegriffen werden. Als Jahresbudget seien 42 Millionen Euro angesetzt worden. Auch BBC World wird finanziell vom Außenministerium unterstützt. Dieses richtete bereits eine Anfrage auf die Ausweitung ihre Medienförderung an das britische Finanzministerium, wie eine Sprecherin dem Blatt sagte.

strengere Regeln für Berichterstattung ein

BBC gab bekannt, nach der Kelly-Affäre neue Regeln für die Berichterstattung zuerlassen. Intendant Mark Thompson sagte am Mittwoch, dass der Sender alle Maßnahmen umsetzen werde, die in einem internen Untersuchungsbericht empfohlen worden seien. Dazu zählen unter anderem strengere Richtlinien bei Live-Sendungen und dem Gebrauch anonymer Quellen. "Die BBC hat kein Anrecht auf das Vertrauen der Öffentlichkeit. Sie muss es sich verdienen und pflegen", sagte Thompson. Nach der Kelly-Affäre beauftragte der Sender seinen früheren Nachrichtenchef Ronald Neil mit der Untersuchung.

Schwere Krise

Im vergangenen Jahr war die BBC in die schwerste Krise ihrer 80-jährigen Geschichte gestürzt. Der Verteidigungsexperte Andrew Gilligan berichtete damals auf BBC Radio 4, dass die britische Regierung vor dem Irak-Krieg ein Geheimdienstdossier aufgebauscht habe. In der Live-Sendung berief er sich auf eine anonyme Quelle. Nachdem die Regierung ihren Berater David Kelly als Informant Gilligans preisgab, nahm sich der Waffenexperte im Juli 2003 das Leben.

Wegen des Gilligan-Berichts traten neben dem Reporter auch Intendant Greg Dyke und der Rundfunkratsvorsitzende Gavyn Davies zurück. Alle drei zogen damit die Konsequenz aus einem Untersuchungsbericht des Lordrichters Brian Hutton, in dem schwere Vorwürfe gegen die BBC erhoben wurden. (APA/AP)

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