DFB-Teamchef Völler zurückgetreten

24. Juni 2004, 13:31
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Folge des vorzeitigen Scheiterns des dreifachen Europameisters bei den Titelkämpfen in Portugal - Hitzfeld wäre bereit: "Es wäre die logische Folge für mich, Bundestrainer zu werden"

Almancil - Zwei Jahre vor der Fußball-WM-Endrunde im eigenen Land hat das deutsche Nationalteam nicht nur vorzeitig von der Euro Abschied nehmen müssen, sondern mit Rudi Völler auch seinen Feldherrn verloren. Der 44-Jährige erklärte am Donnerstag in Almancil seinen überraschenden Rücktritt als Teamchef. Völler zog damit nur wenige Stunden nach dem 1:2 gegen Tschechien B die Konsequenz aus dem EM-Ausscheiden des Vize-Weltmeisters.

Kredit aufgebraucht

Völler verkündete seine Entscheidung, die er in der Nacht nach dem EM-K.O. im deutschen Mannschafts-Quartier DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mitgeteilt hatte, bei der Abschluss-Pressekonferenz vor dem Rückflug nach Frankfurt/Main. Zwei Jahre vor der WM im eigenen Land habe er "das Gefühl, dass es nur jemand machen kann, der unbefleckt ist und der Kredit hat". Er würde einen "Rucksack mit sich herumtragen".

Hitzfeld ein Nachfolge-Kandidat

Mayer-Vorfelder bedauerte den Rücktritt und sagte zur Nachfolge- Frage: "Ich werde mich auf der Suche von den Medien nicht in eine Hektik hineintreiben lassen. Dass Ottmar Hitzfeld ein Name ist, der in allen Überlegungen eine Rolle spielt, ist klar." Der ehemalige Trainer von Bayern München hat mit Ende der Saison seinen Vertrag mit dem deutschen Rekordmeister vorzeitig beendet.

Ex-Bayern-Coach wäre bereit

In einem Interview mit der Tageszeitung "Die Welt" (Freitag-Ausgabe) gab Ottmar Hitzfeld an, er stünde als deutscher Fußball-Teamchef bereit. "Ich war Trainer von Borussia Dortmund und Bayern München. Jetzt, nach dem Rücktritt von Rudi Völler, wäre es eine logische Folge für mich, Bundestrainer zu werden", sagte der 55-Jährige. Zunächst wolle er aber mit DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder sprechen.

"Wir sind per Du"

"Er ist ein Freund von mir, wir sind per Du. Er hat mich damals als Spieler zum VfB Stuttgart geholt", erklärte Hitzfeld, der nach sechs Jahren als Bayern-Trainer entlassen worden war. Zwar wäre es für ihn eine Ehre, Bundestrainer zu sein. "Ich mache das aber nicht vorbehaltlos. Ich muss es mir genau überlegen, denn ich habe mich nach der Trennung vom FC Bayern auf eine Pause eingestellt, um Abstand zu gewinnen", sagte Hitzfeld. Er müsse zunächst mit seiner Familie über die Planungen sprechen, es müssten viele Dinge abgeklärt werden.

"Keine spontane Entscheidung"

Völler sagte, es müsse jetzt "jemand vorne stehen, der aufweckt". Er selbst erfülle diese Voraussetzung nicht mehr. Noch unmittelbar nach dem Spiel gegen Tschechien hatte der Teamchef erklärt, seinen Vertrag mit dem DFB bis 2006 erfüllen zu wollen. Zugleich hatte er betont, er klebe nicht an seinem Stuhl. Unmittelbar nach dem Spiel habe er "schon im Hinterkopf gehabt, dass es nicht mehr weiter gehen würde". Es sei "keine spontane Entscheidung gewesen, ich hatte mir das schon früher überlegt".

29 Siege, elf Remis und 13 Niederlagen

Der Ex-Internationale, ursprünglich nur als Platzhalter für den vom DFB von 2001 an als Bundestrainer verpflichteten Christoph Daum (Koks-Affäre) geholt, hatte die Führung des Nationalteams vor vier Jahren nach dem EM-Debakel in Belgien und den Niederlanden übernommen. Als achter Verantwortlicher für das DFB-Team seit 1930 verbuchte er als großen Erfolg den Gewinn des Vize-WM-Titel 2002 in Japan und Südkorea. Völler nahm jetzt mit 29 Siegen, elf Remis und 13 Niederlagen seinen Hut.

Völler nimmt "Auszeit"

Sein Nachfolger finde ein intaktes Umfeld vor. "Ich sehe es nicht so schwarz wie vor vier Jahren." Er hätte das Team gern bis 2006 geführt. Aber in dieser Situation gehe es einfach nicht. "Da ist der Egoismus der falsche Freund." Jetzt müsse ein Mann kommen, "der die Ruhe bewahrt, der weiß, ich mache das zwei Jahre und dann nach mir die Sintflut". Er werde eine "Auszeit nehmen", kündigte Völler an. "Wann und wie ich wieder tätig werde, ist offen."

Das Abschneiden in Portugal sei "nicht das Debakel wie vor vier Jahren. Was mir wehtut, wir haben nicht gegen die beste Mannschaft Tschechiens gespielt. Das ist einfach zu wenig". Die Mannschaft habe alles gegeben, doch es reichte eben nicht. (APA/dpa/red)

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unbefleckt ist und der Kredit hat"

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