Öl, Gas und Kohle bleiben wichtigste Energiequellen

6. Juli 2004, 11:43
7 Postings

Trotz Forcierung alternativer Antriebe und Energieformen wird die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit von Öl, Gas und Kohle in Bewegung gehalten

Wien - Erdöl wird noch Jahrzehnte aus dem Boden sprudeln, und auch Erdgas und Kohle werden Haushalten und Industrie noch lange zur Verfügung stehen.

Damit dürften diese drei Primärenergieträger auch in den kommenden Jahrzehnten maßgeblich dazu beitragen, die Welt in Schwung zu halten, geht aus dem am Mittwoch in Wien präsentierten Weltenergiebericht des Mineralölkonzerns BP hervor.

Öl-Reserven reichen für 41 Jahre

Die gesicherten Erdölreserven werden bei dem gegenwärtigen Verbrauch zumindest noch für eine Versorgungsdauer von 41 Jahren reichen, führte Michael Smith, Chef der Statistikabteilung bei BP in London, aus.

Bei Erdgas reichten die nachgewiesenen Reserven sogar 67 Jahre. Da trotz steigenden Verbrauchs jedes Jahr zusätzliche Lagerstätten gefunden werden, könnte man wohl mit einer doppelt so langen Verfügbarkeit von Öl und Gas rechnen.

Laut der BP-Studie lagen die nachgewiesenen Erdölreserven mit 1150 Mrd. Fass (159 Liter) oder 156 Mrd. Tonnen Ende 2003 um rund zehn Prozent über dem Vorjahres-Vergleichswert.

Von einer Verknappung könne jedenfalls keine Rede sein; auch der jüngste Preisanstieg bei Öl und Gas habe nichts mit der Reservelage zu tun, erklärte Smith. Doch er warnt: "Die Herausforderung besteht darin, genügend zu investieren, um die Rohöl-Förderkapazitäten für die Hebung der Reserven bereitzustellen."

Öl bleibt teuer

Nach der Investitionszurückhaltung Ende der Neunzigerjahre ortet Smith nun wieder steigende Bereitschaft der Ölwirtschaft, Geld in die Hand zu nehmen. Er begründete dies mit dem hohen Ölpreis, der die nächsten sechs bis zwölf Monate bei 33 bis 35 Dollar je Fass bleiben dürfte. Zum Vergleich: 1998 kostete die für Europa maßgebliche Nordseesorte Brent weniger als 13 Dollar je Fass.

Nach Erkenntnissen der Deutschen Bank und ihrer schottischen Energieberatungsfirma Wood Mackenzie haben die großen integrierten Ölkonzerne von 2001 bis 2003 nur 75 Prozent ihrer laufenden Förderung durch eigene neue Ölfunde ersetzt.

Die eigenen Funde der Ölmultis dürften heute um etwa ein Fünftel unter dem Niveau der Neunzigerjahre liegen. Ihre Explorationsausgaben seien seitdem um 27 Prozent gesunken. Die Branche lebe vom "Ruhm der Vergangenheit", heißt es bei Mackenzie.

Energiehunger nimmt zu

Der Energiehunger nimmt weiter zu, vor allem in Asien. Laut BP-Studie ist der Weltenergieverbrauch 2003 um nicht weniger als 2,9 Prozent gestiegen. Das ist etwa das Doppelte des jährlichen Zuwachses in der vorangegangenen Dekade.

Die treibende Kraft dahinter war erneut China. Russland wird nach Einschätzung von Smith 2005 Saudi-Arabien erneut als wichtigstes Ölexportland ablösen. Der Energiehunger in Asien dürfte sowohl bei Erdöl als auch bei Gas zu einem erheblichen Teil von Russland gestillt werden.

Der Verbrauch an Kernenergie ging hingegen im Berichtsjahr erstmals seit langem zurück, wenn auch nur um zwei Prozent. BP-Mann Smith begründete dies mit der Stilllegung japanischer Reaktoren und der vorübergehenden Außerbetriebnahme von weiteren 17 Blöcken für Sicherheitsüberprüfungen.

Der dadurch eingetretene Einbruch der Kernkrafterzeugung um 27 Prozent trug auch zu dem Nachfragezuwachs nach Öl bei. (Günther Strobl/DER STANDARD Printausgabe, 24.06.2004)

Share if you care.