Partik-Pablé im STANDARD-Interview gegen Diskussion um Regierungsumbildung

25. Juni 2004, 10:11
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FP-Vizeklubchefin: "Schwachstellen lieber in Kauf nehmen" - Will nicht Justizministerin werden

Helene Partik-Pablé hätte als Richterin die fachliche Kompetenz für das Justizressort. Ihr Alter spreche gegen sie, und überhaupt hätte sich die FPÖ die Regierungsumbildung sparen sollen, sagt sie im Gespräch mit Lisa Nimmervoll.

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Standard: Haben Sie Lust, Justizministerin zu werden?

Partik-Pablé: Es ist nicht grad’ die Verjüngung, die angesagt ist. Ich glaube nicht, dass ich eine Kandidatin bin.

Standard: Das Personenspektrum, das in der FPÖ für diese Funktion infrage kommt, ist aber offenkundig begrenzt.

Partik-Pablé: Also ich bin nicht der Königsmacher.

Standard: Trotzdem, würde es Sie prinzipiell reizen, in Justizminister Dieter Böhmdorfers Fußstapfen zu treten?

Partik-Pablé: Eigentlich nein, schon allein wegen des Alters nicht.

Standard: Haben Sie denn damit gerechnet, dass Böhmdorfer jetzt von sich aus geht?

Partik-Pablé: Niemals. Sein Rücktritt war überraschend.

Standard: Warum, glauben Sie, ist er denn gegangen?

Partik-Pablé: Es war vermutlich die Diskussion um die Regierungsumbildung, in die er miteinbezogen war. Ich glaube, dass ihn das irgendwo verletzt oder gekränkt hat. Er wollte Ursula Haubner die Möglichkeit geben, das Team zu verjüngen. Aber ich glaube, der wahre Grund ist schon, dass er etwas indigniert war, dass er da auch in Betracht gekommen ist.

Standard: In Betracht gekommen als potenzieller Austauschkandidat meinen Sie?

Partik-Pablé: Ja, irgendwo schon.

Standard: Wen könnten Sie sich als Justizminister sonst noch vorstellen?

Partik-Pablé: Ich möchte da überhaupt keine Wünsche äußern. Es ist sehr schwer, überhaupt jemanden zu finden, der einerseits dem entspricht, was gewünscht wird, nämlich eine Verjüngung des Teams, und andererseits Erfahrung hat und den von Justizminister Böhmdorfer eingeschlagenen Reformkurs weiterführt. Das ist sicher nicht so einfach. Aber das obliegt alleine Frau Haubner, die ja dann auch die Verantwortung dafür tragen wird.

Standard: Was halten Sie von Peter Westenthalers Vorschlag, die FPÖ solle versuchen, das Innenressort einzutauschen?

Partik-Pablé: Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ÖVP das Innenministerium hergibt. Ich glaube, diesbezüglich sind die Verhandlungen vergebliche Liebesmüh.

Standard: Innenminister Ernst Strasser wird aber eine gewisse Amtsmüdigkeit nachgesagt.

Partik-Pablé: Hab’ ich nicht den Eindruck. Grundsätzlich meine ich, es wäre besser gewesen, überhaupt keine Regierungsumbildung zu machen, weil es nur wieder Anlass gibt für Spekulationen, dass wir uneinig sind. Und wenn ich dann schon wieder die Propagierung von Schwarz-Grün höre - das brocken wir uns selbst ein, indem wir die Regierung umbilden.

Standard: Sie wären dafür, dass man die Böhmdorfer-Lücke schließt und den Rest unverändert weiterarbeiten lässt?

Partik-Pablé: Böhmdorfer ist leider vorzeitig gegangen. Ich hätte von vornherein eine Regierungsumbildung weder diskutiert noch gemacht. Ich hätte, wenn es Schwachstellen gibt, diese Schwachstellen lieber in Kauf genommen als die Regierung umzubilden.

Standard: Wie beurteilen Sie die Debatte um Sozialminister Herbert Haupt, dem via Medien ausgerichtet wird, er soll zurücktreten. Was er selbst offenkundig nicht wirklich will.

Partik-Pablé: Insbesondere in Behindertenkreisen wird Haupt sehr hoch geschätzt. Von dort höre ich immer wieder Widerstände dagegen, dass er abgelöst werden soll. Ich bin der Meinung, er sollte bleiben. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.6.2004)

Zur Person
Helene Partik-Pablé (64) wurde bekannt als U-Richterin im AKH-Prozess, FP-Abgeordnete seit 21 Jahren, Vizeklubchefin.
  • Helene Partik-Pablé will nicht Ministerin werden
    foto: derstandard.at

    Helene Partik-Pablé will nicht Ministerin werden

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