Ausländer kaufen polnische Kälber auf

11. Februar 2005, 15:39
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Rindfleisch-Preis nach EU-Beitritt um 50 Prozent gestiegen - Viele Fleischbetriebe stellen die Verarbeitung ein

Warschau - Bauern und Fleischbetriebe in Polen berichten über massenhafte Verkäufe von Kälbern in westliche EU-Länder. Schuld daran sind unter anderem EU-Förderungen für Landwirte.

"Ich habe die Verarbeitung von Rindfleisch eingestellt", sagt Zbigniew Makulski, Direktor eines Fleischbetriebes im polnischen Inowroclaw. Den derzeitigen Preis von 8,60 Euro für eine Rinderlende könne der polnische Verbraucher nicht mehr bezahlen.

Ursache für den Preisanstieg von 50 Prozent seit Polens EU-Beitritt seien Händler aus Italien, Frankreich und Deutschland. Sie kaufen in Polen massenhaft Kälber auf, erklärt Makulski.

EU-Förderungen

Ein Grund sind die Förderungen der EU. Bauern aus den alten EU-Ländern, die polnische Kälber großziehen, bekommen pro Rind 290 Euro Zuschuss aus Brüssel, außerdem bis zu 100 Euro für jeden Hektar Land, den sie für den Futteranbau nutzen. In Polen dagegen werden den Viehzüchtern ihre Fördermittel nur pro Hektar berechnet. Viele sehen deshalb keinen Grund, ihre Kälber aufzuziehen.

Außerdem ist der Preis, den polnische Schlachthöfe bezahlen, deutlich niedriger als im Westen. Während polnische Bauern im Inland nur 2,15 Euro pro Kilogramm Kalbfleisch bekommen, zahlen die ausländischen Händler bis zu 3,80 Euro. Vor dem EU-Beitritt lag der Ertrag für einen Bauern noch bei maximal 1,30 Euro pro Kilogramm Kalbfleisch.

"Der Export von Kälbern ist dramatisch gestiegen", bestätigt Krzysztof Nosal von der Landwirtschafts-Kammer in der Wojewodschaft Wielkopolska ("Großpolen", die Region um Posen). Wenn der Trend sich fortsetze, werde es bald keine Rinderzucht in Polen mehr geben. Und das, obwohl sie durch die EU-Fördermittel jetzt endlich rentabel geworden sei.

In zwei bis drei Jahren Polen ohne Rinderzucht

Mieczyslaw Chabowski, Geschäftsführer einer Fleischfabrik in Ostrod, pflichtet Nosal bei: In zwei bis drei Jahren werde Polen gezwungen sein, Rindfleisch zu importieren, erklärt er. Der Verlust von Zuchtbetrieben wirke sich auf Jahre hin aus, denn eine Kuh sei erst nach zweieinhalb bis drei Jahren in der Lage, Nachwuchs zu bekommen.

Die einzige Hoffnung, die Polens Züchtern bleiben, nennt der Viehhändler Leopold Szreger: Bald würden die Preise für Kälber in Polen so hoch liegen, dass sich der Transport ins Ausland nicht mehr lohne. (APA)

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