"Freiheit im Internet"-Preis geht an chinesischen Dissidenten

2. Juli 2004, 15:51
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Der Cyberdissident ist seit vier Jahren im Gefängnis, weil er die chinesische Regierung auf seiner Webseite kritisiert hat

Der Chinese Huang Qi ist mit dem diesjährigen Preis für "Freiheit im Internet" von Reporter ohne Grenzen ausgezeichnet worden. Der Cyberdissident ist seit vier Jahren im Gefängnis, weil er die chinesische Regierung auf seiner Webseite kritisiert hat. Zhang Lun, ebenfalls chinesischer Dissident, hat deshalb den Preis an seiner Stelle im Europäischen Zentrum für Fotografie in Paris entgegen genommen.

E-Mail

Als die Polizei am 3. Juni 2000 bei Huang Qi erschien, um ihn zu verhaften, konnte er eine letzte E-Mail verschicken: "Good bye - die Polizei will mich mitnehmen. Wir haben einen langen Weg vor uns. Danke an alle, die bei der demokratischen Entwicklung Chinas geholfen haben."

"Subversion" und "Anstiftung zum Sturz der staatlichen Autorität"

Im Januar 2001 wurde Huang Qi wegen "Subversion" und "Anstiftung zum Sturz der staatlichen Autorität" angeklagt. Bei seiner ersten Verhandlung im Februar 2001 fiel er in Ohnmacht - offensichtlich geschwächt durch lange Verhöre und schlechte Haftbedingungen. Ein anwesender westlicher Diplomat berichtete, dass Huang eine Narbe auf der Stirn hatte und ihm ein Zahn fehlte. Im August 2001 fand ein Scheinprozess hinter geschlossenen Türen statt.

Fünf Jahren Gefängnis

Erst drei Jahre nach seiner Verhaftung, im Mai 2003, erfuhr Huang Qi, dass er zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Sein Verbrechen: Er hatte auf seiner Webseite Artikel über das Tiananman-Massaker 1989 veröffentlicht. Die Seite lief über einen Server in den USA, nachdem sie in China gesperrt worden war. Als seine Familie ihn erstmals nach drei Jahren besuchen durfte, berichtete er seiner Frau Zeng Li, dass er in den ersten Jahren seiner Haft regelmäßig geschlagen und gezwungen wurde, auf dem Boden seiner Zelle zu schlafen. Zudem verbrachte er ein Jahr in Handschellen in einem dunklen Raum. Nun wird er monatlich in eine andere Zelle verlegt, weil er mit Mithäftlingen über Politik und Korruption diskutiert. Dennoch versucht Huang Qi, weiterhin zu schreiben und beharrt gegenüber den Behörden auf seiner Unschuld.(red)

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