Rettberg: "Es geht mir schlecht"

1. Juli 2004, 10:56
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Ex-Libro-Chef: "Lebe lieber unter widrigsten Verhältnissen im Untergrund, als unschuldig in Haft zu sein"

Wien - Der seit Februar d.J. flüchtige ehemalige Libro-Chef Andre Rettberg hat sich aus seinem Versteck gegenüber einem Magazin zu Wort gemeldet. "Ich habe mir eine Rückkehr natürlich überlegt. Aber ich lebe lieber unter widrigsten Verhältnissen im Untergrund, als unschuldig in Haft zu sein", zitiert "News" Rettberg. Wie das Nachrichtenmagazin in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe schreibt, zeigt Rettberg angesichts seines drohenden Privatkonkurses gleichzeitig Kampfgeist. Seine Gattin Barbara habe am Dienstag den Kampf für ihren Ehemann aufgenommen und Klage gegen die Andre Maarten Rettberg Privatstiftung eingebracht.

In der Klageschrift, auf die sich "News" beruft, wird die Abberufung des Stiftungsvorstands gefordert. Der Vorwurf: Durch Verfehlungen des Vorstandes soll der Stiftung ein Schaden von mindestens 43 Mio. Euro entstanden sein. Der Vorstand bestreitet dies allerdings heftig. Auch der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), die Ende Mai einen 5 Millionen Euro-Vergleich mit Rettberg aufgekündigt hatte, werde in der Klage zur Last gelegt, mitschuld am Finanzdebakel der Stiftung zu sein. Sollte Rettberg vor Gericht mit ihrer Argumentation durchkommen, wäre ihr Mann seine Schulden los und auch die Vorwürfe der Ermittler und damit der Haftbefehl vom Tisch, berichtet "News".

"In ärmlichsten Verhältnissen"

Dem früheren Libro-Boss dürfte es indes ziemlich schlecht gehen. "Ich lebe ohne Freunde und ohne soziale Kontakte in ärmlichsten Verhältnissen", lässt er in "News". "Meine Familie fehlt mir sehr, ich wäre gerne bei meiner Frau und meinem Sohn. Es geht mir schlecht." Der ehemalige Spitzenmanager betont, dass er sich nichts vorzuwerfen habe: "Ich habe nichts Unrechtes getan, fühle mich unschuldig und muss mich trotzdem verstecken. Obwohl ich ein unbescholtener Bürger bin, werde ich wie ein Schwerverbrecher gesucht. Das ist nicht fair." Rettberg betont dabei, dass er sich bei freiem Geleit sofort stellen wolle.

Mit seinem jetzigen Schicksal scheint der frühere Firmenchef kräftig zu hadern: "Viele Leute haben bei Libro viele Entscheidungen getroffen, wir hatten Millionen für Berater ausgegeben. Es kann doch nicht sein, dass man mich jetzt zum einzigen Sündenbock machen will", sagt Rettberg. "Ich war immer Idealist und habe bis zuletzt an das Unternehmen geglaubt. Sonst hätte ich wohl nicht mein Privatvermögen in Libro investiert, und damit auch verloren."(APA)

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