Klien war nicht Wunschpilot

9. Juli 2004, 12:42
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Jaguars Managing-Direktor Pitchforth soll Kritik geübt haben - Pitchforth selbst relativiert und fühlt sich "missinterpretiert"

London - Nach neun Rennen ohne WM-Punkt ist erstmals Kritik an Österreichs Formel-1-Newcomer Christian Klien aus dem eigenen Jaguar-Lager laut geworden. "Wir haben alles versucht, um unseren Sponsor-Partner Red Bull dahingehend zu beeinflussen, um Christian als Testfahrer zu verpflichten und jemanden Erfahreneren ins Renncockpit zu setzen", wurde David Pitchforth, Managing Director von Jaguar, in der britischen Fachzeitschrift "Motorsport News" zitiert. "Ich denke sie (die Verantwortlichen bei Red Bull, Anm.) sehen nun ein, dass das vielleicht die bessere Option gewesen wäre."

Nur vorletzte Stelle in der Konstruktionswertung

Klien kam als Ersatz für den Briten Justin Wilson, der als Nachfolger des inferior fahrenden Brasilianers Antonio Pizzonia in fünf Rennen einen WM-Punkt für Jaguar geholt hatte. Der 21-jährige Vorarlberger ist einer von drei Fahrern, die heuer noch keinen einzigen Zähler erobert haben. Sein australischer Teamkollege Mark Webber, der sich mit Saisonende wohl Richtung Williams-BMW verabschieden wird, hat es bisher auf drei Punkte gebracht. Damit liegt Jaguar nur an neunter und vorletzter Stelle der Konstrukteurswertung. Lediglich das Nachzügler-Team von Minardi weist mit einem einzigen Punkt derzeit weniger Zähler als die Grünen Raubkatzen auf. Jaguars Saisonziel ist ein Platz unter den Top Sechs in der Teamwertung. Diesen hat im Moment das Schweizer Privat-Team Sauber mit 15 Punkten inne.

Pitchford dementiert bzw. relativiert

Noch am Mittwoch hat Pitchford seine angeblichen Aussagen dementiert bzw. relativiert. Pitchford sprach in einem Telefonat mit einem Red-Bull-Sprecher von einer "Missinterpretation" und davon, dass seine Aussagen "überzogen" dargestellt worden seien. "Ganz im Gegenteil, wir sind im Team mit Christian Klien sehr zufrieden. Er hat bisher sehr wenige Fehler gemacht", so Pitchford, der auch die Übermittlung der offiziellen Abschrift seiner bei einem Pressefrühstück getätigten Aussagen anbot.

Pitchford machte zudem klar, dass Klien nicht der erste Jung-Pilot sei, der ohne den Zwischenschritt Testfahrer direkt ins Formel-1-Renncockpit gekommen sei. Auch bei Kimi Räikkönen, Jenson Button oder Felipe Massa sei das so gewesen.

Klien verwundert

Auch bei den Jaguar-Testfahrten in Barcelona reagierte man überrascht bis konsterniert auf die angeblichen Pitchford-Aussagen. "Das interessiert mich nicht, ich kenne die Aussagen nicht. "Mir gegenüber ist von Jaguar nie Kritik laut geworden", brachte Klien seine Verwunderung auf den Punkt. "Ich mache meine Arbeit so gut wie möglich und stehe im besten Einvernehmen mit dem Team", sagte der Vorarlberger und erhielt dabei auch von Rennchef Dr. Mark Gillan und Teamboss Tony Purnell Unterstützung.

Ihm sei klar, dass er zuletzt zwei Mal WM-Punkte vermasselt habe, aber gegen Startunfälle sei man eben nicht gefeit, die könnten jedem passieren, so Klien in einem Interview mit den Salzburger Nachrichten (SN).

Er lasse sich aber nicht vom Weg abbringen und verspüre nicht mehr Druck als bisher, so Klien weiter. Sein Ziel sei, möglichst gute Testfahrten zu absolvieren und in Magny Cours auf WM-Punkte los zu gehen. Und bei der ganzen Sache dürfe man auch nicht übersehen, dass auch Teamkollege Mark Webber, einer der hoch gelobtesten Piloten in der Formel 1, lediglich drei WM-Punkte auf dem Konto habe, sagte Klien. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Klien nach seinem letzten unverschuldeten Crash nach dem Start.

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