Asylwerber sorgen für unliebsamen Empfang Strassers

3. Juli 2004, 17:27
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Nach Führung demonstrierten Flüchtlinge gegen Bedingungen in Traiskirchen - Innenministerium vermutet "organisierte" Kundgebung

Traiskirchen - Ein unliebsamer Empfang wurde Innenminister Strasser am Mittwoch im Flüchtlingslager Traiskirchen bereitet. Eigentlich wollte der Minister nur das Funktionieren des neuen Erstaufnahmezentrums demonstrieren und ein Frauenhaus eröffnen. Währenddessen haben sich dann aber bis zu 100 Flüchtlinge vor dem Haus versammelt und lautstark ihren Unmut über die Bedingungen im Lager zum Ausdruck gebracht.

Innenministerium vermutet "organisierte" Kundgebung

Das Innenministerium vermutet "organisierte" Proteste hinter der heutigen Kundgebung im Flüchtlingslager Traiskirchen. Demnach soll der Verein "MIVE 3 St.Marx" verantwortlich sein, der mit der Aktion SOS-Menschenrechte schaden wolle.

Strasser: "Vorbildhaftes System"

Die Führung durch die Erstaufnahmestelle, die erstmals Medien zugänglich gemacht wurde, verlief zunächst auch planmäßig. Strasser sprach von einem für andere Länder vorbildhaften System, der Leiter Eichenseder erklärte die Details. Aber auch Strasser gestand ein, dass Traiskirchen überfüllt sei.

Am ersten Tag werden ärztliche Untersuchungen bei den neu ankommenden Flüchtlingen durchgeführt. Am zweiten Tag erfolge die erste Einvernahme, bei der Reiseroute und Fluchtgründe geklärt werden sollen. Dabei zeige sich schon, ob es sich um Wirtschaftsflüchtlinge handle oder weitere Prüfungen nötig seien, meinte Eichenseder.

Weiter geht es mit der Dokumentenprüfung und der Erfassung der Fingerabdrücke. Durch die Eurodac-Datenbank kann europaweit überprüft werden, ob eine Person bereits in einem anderen Land um Asyl angesucht hat. Ist das der Fall, kann der Flüchtling relativ rasch abgeschoben werden.

17 Rechtsberater stehen zur Verfügung. Der Vorwurf von NGO's, diese seien nicht gut ausgebildet und würden nicht über die nötigen Ressourcen verfügen, wurde von Strasser zurückgewiesen. Auch ausreichend Dolmetscher seien vorhanden, hieß es. Informationen können zusätzlich am Computer nachgelesen oder abgehört werden.

Von den 1.900 Flüchtlingen seit 1. Mai habe es rund 400 Eurodac- Treffer gegeben, berichtete Eichenseder. Tatsächlich zurückgeschickt wurden aber erst sieben Personen. 400 Verfahren wurden eingestellt, weil die Flüchtlinge das Lager verlassen haben. Rund 350 Asylwerber wurden für das Verfahren zugelassen. (APA)

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    Rund 100 Flüchtlinge haben sich vor Strasser versammelt und lautstark ihren Unmut über die Bedingungen im Lager bekundet. Die Polizei musste den Innenminister abschirmen.

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    Demo der Flüchtlinge in Traiskirchen: "We need work"

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