Wal-Mart gegen 1,6 Millionen Frauen

1. Juli 2004, 10:56
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Ein US-Richter hat eine Sammelklage gegen Einzelhandelsriesen wegen sexueller Diskriminierung zugelassen - Strafen von bis zu 6,4 Milliarden Dollar möglich

In den USA bahnt sich eine Sammelklage gigantischen Ausmaßes an. Ein US-Bezirksgericht in San Francisco hat am Dienstag entschieden, dass insgesamt 1,6 Millionen ehemalige und derzeitige Wal-Mart Angestellte Ansprüche gegenüber das Unternehmen geltend machen können. Angefangen hat die Auseinandersetzung 2001, als sechs Frauen gegen das Unternehmen klagten. Personen mit ähnlichen Fällen wie die ursprünglichen Klägerinnen können nun theoretisch der Klage beitreten. Die Wal-Mart Aktie ist nach der Bekanntgabe der Entscheidung am New York Stock Exchange um 2,1 Prozent gefallen.

Die Klägerinnen sind alle weibliche Angestellte, die seit Dezember 1998 für den Einzelhandelsriesen gearbeitet haben. Sie werfen Wal-Mart vor, Frauen systematisch schlechter zu bezahlen als Männer, und ihnen den Aufstieg in Führungspositionen erschwert zu haben. Laut eines Gutachtens verdienen Frauen bei Wal-Mart im Schnitt 6,2 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Außerdem sind an der Kassa hauptsächlich Frauen zu finden, der Anteil von Frauen in Führungspositionen liege deutlich unter dem Branchendurchschnitt.

Hundefutter stapeln

Walmart hat schon angekündigt Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen, und behauptet dass bisher nur die formelle Zulässigkeit der Klage festgestellt wurde. "Das hat überhaupt nichts mit dem Fall als solchem zu tun", so der Konzernssprechen im SPIEGEL. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück, und behauptet es würden sich nun mal mehr Männer für Management-Stellen bewerben. Die Anwälte der Kläger rechnen nach: 15 Prozent der Managementpositionen ist weiblich besetzt, während Frauen mit 70 Prozent die einfacheren Arbeiten dominieren. Weiters werden laut Zeugenaussagen Frauen systematisch daran gehindert verantwortungsvolle Positionen anzustreben. Angeblich wurde einer Frau erklärt, sie könne nur beruflich aufsteigen, wenn sie 22-Kilo Säcke Hundefutter stapeln könne. In einer ähnlichen Klage gegen die Baumarktkette Home Depot musste das Unternehmen 25.000 Frauen 100 Millionen Dollar bezahlen. Auf Wal-Mart hochgerechnet wären das 6,4 Milliarden Dollar. Allerdings meinen Juristen dass es wohl nicht soweit kommen wird. Im Regelfall werden solche Fälle nämlich nicht im Gericht ausgefochten, sondern vorher per Vergleich beigelegt. (red, Reuters)

  • Eine freundliche Dame beim Eingang: so kennt man Walmart. Doch nun sind 1,6 Millionen Frauen gar nicht so gut auf das Unternehmen zu sprechen.
    foto: walmart

    Eine freundliche Dame beim Eingang: so kennt man Walmart. Doch nun sind 1,6 Millionen Frauen gar nicht so gut auf das Unternehmen zu sprechen.

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