Tiroler können ihre Babys "virtuell" besuchen

4. Juli 2004, 18:22
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"Babywatch" an Innsbrucker Kinderklinik in Österreich einzigartiges Projekt - Eltern und Verwandte können neugeborene Kinder übers Internet besuchen

Kaum ist der Neuankömmling auf der Welt, möchten ihn auch schon alle bestaunen. Geschwister, nahe Verwandte und viele Freunde müssen dabei oft viele Kilometer fahren. Die Neugeborenenabteilung der Kinderklinik Innsbruck ermöglicht ab sofort mit dem Projekt "babywatch", dass Eltern und deren Angehörige ihre Neugeborenen auf der Intensivstation virtuell besuchen können. Das von der Abteilung Neonatologie der Medizinischen Universität Innsbruck gestartete Projekt ist derzeit einzigartig in Österreich.

Onkel aus New York

Mit einer Webcam am Babybett sei es nun auch dem Onkel aus New York möglich, seinen neuen Neffen anzuschauen, zeigte sich der Leiter der Klinischen Abteilung für Neonatologie, Univ.-Prof. Georg Simbruner, bei der Präsentation des Projekts am Mittwoch begeistert. Da immer auch Verwandte und Freunde den Nachwuchs sehen wollen und sich ein vermehrter Parteienverkehr nicht mit dem Betrieb auf einer Neugeborenen-Intensivstation vertrage, sei der Besuch auf der Frühgeborenen-Station bis jetzt nur für die Eltern gestattet gewesen, erklärte Simbruner: "Wir bemühen uns, die Angehörigen bestmöglich einzubeziehen und meinen, dass dieses Projekt die Beziehung zwischen dem Neugeborenen und seiner Umwelt fördern wird."

Eigene Homepage

Eine eigens dafür eingerichtete Homepage ermögliche einen virtuellen Besuch des Babys. Die Eltern benötigen einen PC oder Laptop und einen Breitband-Zugang. Sie erhalten einen Benutzernamen und ein geheimes Passwort, das sie an ihre Familie und Freunde weitergeben können. Derzeit ist das Internet-Fenster von 16.00 Uhr bis 21.00 Uhr geöffnet. Für den Zugriff auf die Babybilder sind allerdings die Krankenschwestern zuständig. Sie können ihn beschränken, wenn zum Beispiel Behandlungen am Kind vorgenommen werden, erläuterte die Leitende Stationsschwester der Neugeborenen-Intensivstation, Heidi Köll. Die Eltern müssen, bevor sie ihr Baby virtuell betrachten können, auf der Station anrufen oder einen täglichen Zeitraum vereinbaren.

Zwei Kameras für sechs Betten

Vorerst gebe es zwei Kameras für sechs Betten. Bis jetzt hätten sechs Eltern das Projekt angenommen. Für sie entstehen dadurch keine Kosten. Besonders Väter würden davon profitieren, meinte Köll. Nach ersten Erfahrungen seien auch die zusätzlichen Belastungen für die Schwestern nicht exorbitant hoch. Doch die Kamera nehme natürlich auch Platz weg, der auf einer Intensivstation ohnehin nicht in sehr großem Ausmaß vorhanden sei, sagte die Stationsschwester.

Simbruner möchte "babywatch" zukünftig auch auf der Säuglingsstation ermöglichen. Das Projekt wurde von chello und der Telesystem Tirol gefördert.(APA)

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