Wechsel an Spitze der Mailänder Verlagsgruppe RCS

1. Juli 2004, 23:32
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Familie Romiti verliert Kontrolle über "Corriere della Sera"

Wechsel an der Spitze von Italiens größter Verlagsgruppe RCS Mediagroup: Der bisherige Geschäftsführer von Vodafone Italia, Vittorio Colao, rückt zur neuen "Nummer eins" der Mailänder Verlagsgruppe auf, die unter anderem die Tageszeitung "Corriere della Sera" herausgibt, teilte RCS am Mittwoch mit. Mit einer Auflage von 700.000 Kopien ist "Corriere della Sera" Italiens prestigereichste Tageszeitung.

Colao wird ab September den bisherigen RCS-Geschäftsführer, Maurizio Romiti, ersetzen. Die Unternehmerfamilie Romiti, die über ihre Holding Gemina bisher mit einem Anteil von 9,7 Prozent den RCS-Aktionärspakt anführte, musste diese Woche nach langwierigen Verhandlungen ihre Macht abgeben. Die Romiti-Familie wurde beschuldigt, für die Jahre langen Verluste der Gruppe verantwortlich zu sein. Erst 2003 wurde wieder ein Gewinn von 51,5 Mio Euro ausgewiesen. Romiti wird außerdem das Scheitern der Diversifikationspolitik bei der RCS Media Group vorgeworfen.

Familie Romiti gibt bestimmende Rolle auf

Die Familie Romiti entschloss sich daher, ihre bestimmende Rolle aufzugeben und ihr Aktienpaket an der RCS Mediagroup an die anderen Mitglieder im Aktionärspakt zu verkaufen, darunter die Autogruppe Fiat, die Mailänder Investmentbank Mediobanca, die Unternehmerfamilie Pesenti (Italcementi) und die Generali-Versicherung.

Neu in den Aktionärspakt aufgenommen wurden Diego Della Valle, Gründer des Schuhproduzenten "Tod's", und der Elektrogeräte-Unternehmer Francesco Merloni. Ein weiteres Mitglieder der Aktionärspakt ist der Bauunternehmer und Versicherungsaktionär (Fondiaria-Sai) Salvatore Ligresti. Maurizio Romitis Vater Cesare, der vor seinem Eintritt bei RCS von 1974 bis 1998 eine steile Karriere bei der Fiat-Gruppe absolviert und diesen Konzern auch jahrelang geführt hatte, soll fortan noch "Ehrenpräsident" von RCS Media Group sein.

Wegen Vittorio Colaos Wechsel bahnen sich auch bei Vodafone Änderungen an. Zum neuen Chef der Vodafone Italia rückt Pietro Guindani, Chief Financial Officer der Vodafone für den südeuropäischen und afrikanischen Markt, auf. Guindani wurde von Colaos als sein Nachfolger empfohlen, hieß es in einer Vodafone-Presseaussendung. (APA)

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