Ansehen der USA in Österreich auf Tiefpunkt

25. Juni 2004, 19:00
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Umfrage: "Dramatische Zunahme" der Kritik - Irak-Krieg und Meldungen über Folter als Auslöser - Mit Infografik

Linz - Das Ansehen der USA in Österreich befindet sich auf einem Tiefpunkt, so das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstituts IMAS. 73 Prozent der Erwachsenen sind demnach überzeugt, dass sich die allgemeine Einstellung gegenüber den Vereinigten Staaten verschlechtert hat. Nur sechs Prozent sprachen von einer Verbesserung. 1.026 Personen wurden von 19. Mai bis 11. Juni 2004 befragt.

Im Vergleich zum März vor zwei Jahren hat sich der nachteilige Eindruck von der "amerikanischen Supermacht" um mehr als das Doppelte verstärkt. Auffallend sei, so IMAS, die Einheitlichkeit, mit der sich diese Meinung quer durch die einzelnen Bevölkerungsgruppen hindurchziehe. Die "geradezu dramatische Zunahme" der USA-Kritik seit März 2002 lasse keinen Zweifel daran, dass die negative Stimmungstendenz in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem Irak-Krieg und der "gewaltbetonten Besatzungspolitik" der Amerikaner stehe.

Meldungen "aufmerksam verfolgt"

Eine "erdrückende Mehrheit" von 78 Prozent der Österreicher hat die Meldungen über das Foltern irakischer Kriegsgefangener nach eigener Angabe "aufmerksam verfolgt". 55 Prozent der Befragten haben sich mit Verwandten bzw. Freunden über die Folterungen unterhalten, 23 Prozent haben nicht diskutiert. Besonders intensiv seien die Diskussionen laut IMAS unter Maturanten und Akademikern sowie unter den Leitenden Angestellten und Beamten gewesen.

"Irgendwie typisch"

Nicht ganz leicht fällt den Österreichern die Antwort, ob es sich bei den Folterungen um eine Individual- oder Kollektivschuld handle. 27 Prozent der Bevölkerung glauben, dass die Misshandlungen Einzelfälle darstellen. Die klare Mehrheit von 37 Prozent erklärt hingegen, dass Foltern "irgendwie typisch für die Amerikaner und für ihr Verhalten gegenüber ihren Gegnern" sei.

Elf Prozent gegenteiliger Meinung

Unabhängig von der Frage nach Ausmaß und Ursachen steht für die Masse der Österreicher fest, dass Folterungen kriminelle Vorgänge seien, die rechtliche Konsequenzen erfordern: Für 56 Prozent steht fest, dass Folterungen Kriegsverbrechen seien, die entsprechend bestraft werden müssten. Nur elf Prozent sind gegenteiliger Meinung.

Schon im Februar vergangenen Jahres - kurz vor Beginn des zweiten Irak-Krieges - haben nur 36 Prozent der Befragten die USA im Hinblick auf ihre Lebensart sowie ihr politisches und wirtschaftliches Verhalten zumindest teilweise als Vorbild empfunden. Inzwischen ist diese Zahl auf 31 Prozent geschrumpft. 57 (2003: 53) Prozent sehen in den Vereinigten Staaten kein Vorbild. (APA)

Literaturtipps

Dan Diner: "Feindbild Amerika", Propyläen Verlag

Thomas Uwer, Thomas von der Osten-Sacken, Andrea Woeldike: "Amerika, Der „War on Terror“ und der Aufstand der Alten Welt", ça ira Verlag

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    Das Ansehen der USA ist in Österreich auf dem Sinkflug

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