Geringes Einkommen als kleinster gemeinsamer Nenner

8. Juli 2004, 13:47
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183.000 ÖsterreicherInnen ohne Krankenversicherung

Wien - Der Sozialexperte Martin Schenk von der Armutskonferenz verwies Mittwoch im Radio-Morgenjournal des ORF darauf, dass 160.000 Menschen ohne Krankenversicherung seien. Diese Lücke im Versicherungsschutz müsse geschlossen werden. Schenk verlangte, dass im Gesundheitsbereich und in der Prävention mehr Augenmerk auf soziale Lebensbedingungen gelegt wird.

Betroffene

Die 160.000 Personen, das sind 2,4 Prozent der Wohnbevölkerung, haben eines gemeinsam - ein geringes Einkommen. "Da ist Frau K. mit geringfügiger Beschäftigung, da ist Herr G. in einer schweren psychischen Krise, da ist Herr S. als Arbeitssuchender ohne Leistungsanspruch, da sind - vormals mit ihrem Ehemann mitversicherte - Frauen nach der Scheidung, da sind Hilfesuchende wie Frau L., die ihren Sozialhilfeanspruch aus Scham nicht einlösen, da sind traumatisierte Flüchtlinge", zählt Schenk die betroffenen Bevölkerungsgruppen auf.

Leben am Limit

Wer in Kauf nehme, dass immer mehr Menschen in die Sozialhilfe abrutschten, gefährde die Gesundheit. "Leben am Limit macht Stress. Leben am Limit schwächt die Abwehrkräfte und das Immunsystem und macht verletzlich". Jede/r zweite Anspruchberechtigte beantrage zudem keine Sozialhilfe. Die Gründe seien Scham, Schikanen am Sozialamt, Angst vor Armutsverfestigung. "Bei solch stigmatisierender Sozialhilfepraxis braucht sich niemand über die hohe Nichtinanspruchnahme wundern", erklärte Schenk.

Schenk kritisierte auch Kürzungen im Gesundheitsbereich: Die psychosozialen Stützpunkte außerhalb der Spitäler in Gemeinden und Bezirken seien unzureichend, die Instrumente aktiver Arbeitsmarktpolitik für die Betroffenen nicht ausgereift – viele Projekte überhaupt von Kürzungen bedroht. (APA/red)

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