Europarat prangert "neue Form der Sklaverei" in Europa an

8. Juli 2004, 21:04
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Tausende von Frauen und Mädchen "zu Objekten degradiert, gedemütigt oder auch sexuell missbraucht"

Straßburg - Der Europarat hat abermals die weit verbreitete Ausbeutung von Hausangestellten oder au-pair-Mädchen angeprangert: Mehr als 150 Jahre nach der offiziellen Abschaffung der Sklaverei würden in Europa heute Tausende von Frauen und Mädchen unter sklavenähnlichen Bedingungen gehalten, zu Objekten degradiert, gedemütigt oder auch sexuell missbraucht, kritisierte die Parlamentarische Versammlung des Staatenbundes am Dienstag in einer Entschließung. Die Regierungen der 45 Europaratsländer wurden aufgefordert, wirksame Maßnahmen gegen diese "neue Form der Sklaverei" zu ergreifen.

Bei den Betroffenen handelt es sich einem Bericht zufolge vor allem um Frauen und Mädchen, die oft von zweifelhaften Agenturen vermittelt oder aber illegal eingeschleust werden. Viele von ihnen hätten sich hoch verschuldet, um die Agenturen oder Schlepperbanden zu zahlen. Somit seien sie ihren ArbeitgeberInnen häufig ausgeliefert, zumal diese oft die Ausweise konfiszierten, heißt es in dem Bericht. Auch au-pair-Mädchen würden oft ausgebeutet, weil viele Länder keine verbindlichen Regeln für ihre Beschäftigung erlassen hätten.

Immunität

Besonders in Botschaften und Konsulaten würden Hausmädchen oft wie Sklavinnen gehalten, wobei die DiplomatInnen von ihrer Immunität profitierten, kritisierte die deutsche Grünen-Abgeordnete Marianne Titz. Dass so etwas in Europa möglich sei, sei eine "Schande".

Die Versammlung forderte die europäischen Regierungen auf, Vermittlungsagenturen besser zu kontrollieren. Durch ein Zulassungssystem müsse sichergestellt werden, dass solche Agenturen Mindestanforderungen erfüllen. Grundsätzlich müssten die Staaten bei Missbräuchen die Verantwortlichen strafrechtlich verfolgen. (APA)

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