Constantia-Aktionäre wollen mehr Abfindung

18. Juli 2004, 18:24
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Die Constantia-Iso zieht sich von der Börse zurück und bietet den verbleibenden Kleinaktionären eine Abfindung, die diesen zu wenig ist

Wien - Die Kleinaktionäre der Constantia-Iso, die im Rahmen des Rückzugs des Unternehmens von der Wiener Börse eine Abfindung erhalten sollen, wollen nun per gerichtlicher Untersuchung einen höheren Preis einfordern.

Das Unternehmen, das in den Bereichen Holzwerkstoffe und technische Kunststoffe tätig ist, wird in diesem Herbst von der Börse gehen und deshalb die verbliebenen Streubesitzaktien - die zehn Prozent des Kapitals ausmachen - in eine eigene Kapitalgesellschaft mit dem Namen Demeter Vermögensverwaltung AG abspalten, heiß es auf der Hauptversammlung am Dienstag.

Kleinaktionäre akzeptieren Preis nicht

Im Zuge dessen sollen die Streubesitzaktionäre eine Abfindung von 8,42 Euro je Aktie erhalten. Eine Aktie im Wert von einem Euro soll dabei in die Demeter fließen und die verbleibenden 7,42 Euro erhalten die Aktionäre als Zuzahlung vom Mehrheitsaktionär der Constantia, der Turnauer Stiftung. Die meisten Kleinaktionäre sind nicht bereit, diesen Preis zu akzeptieren, weil er ein Drittel unter dem Buchwert des Unternehmens liegt, und unter dem aktuellen Kurs von 8,90 Euro. Die Constantia-Iso besteht auf dem Preis, da dieser dem Höchststand vor Bekanntgabe des Rückkaufangebotes entspräche.

Um eine gerichtliche Überprüfung des von der Constantia-Iso angegeben Preises einzuleiten, müssen sich Aktionäre zusammenschließen, die gemeinsam zumindest über 67.500 Aktien verfügen, was am Dienstag erreicht wurde, bestätigte Christian Maier, Finanzvorstand der Constantia-Iso. Von der möglichen Verbesserung des Abschlages können aber nur jene Kleinaktionäre profitieren, die bei der Hauptversammlung anwesend waren und ihre Stimme abgeben haben.

IVA-Rasinger: "Unfaire Hürde"

Kleinanlegern wird durch solche Formalitäten und Regelungen die Möglichkeit, auf ihr Recht zu bestehen, erschwert, kritisiert Wilhelm Rasinger, Präsident der heimischen Anlegerschützer (IVA). "Das ist eine Hürde, die ich für sehr unfair halte. Man kann jemandem, der in Bludenz wohnt, nicht zumuten, wegen ein paar Hundert Aktien einen ganzen Tag nach Wien zu fahren".

Gerichtsverfahren dieser Art können mehrere Jahre dauern. In einigen Fällen, wie etwa bei SCA Laakirchen und Steyr Daimler Puch konnte mit Hilfe der IVA in der Vergangenheit eine deutliche Verbesserung des Abschlages ausgehandelt werden.

Schwieriges Umfeld

Die Constantia-Iso kämpft mit einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Während die Nachfrage auf den wichtigsten Absatzmärkten wie Bau-, Möbel- und Flugzeugindustrie in Europa konjunkturbedingt schwach ist, sorgen höhere Rohstoff-, Energie- und Materialpreise für steigende Kosten, so das Unternehmen bei Bekanntgabe der ersten Quartalszahlen 2004.

Am Mittwoch wird auf der Hauptversammlung der Baumarktkette Baumax ähnliches wie bei der Constantia-Iso passieren. Auch hier wollen sich Kleinaktionäre, die teuer gekauft haben, sich nicht um den weit niedrigeren vorgeschlagenen Preis abfinden lassen. (Nadja Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.06.2004)

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