Die Angst des Handels vor den Geizhälsen

15. Juli 2004, 16:59
posten

Studie untersuchte Auswirkungen von Preisvergleichs-Plattformen auf das Verhalten von Händlern und Konsumenten - Preis allein ist nicht kaufentscheidend

Wien - Bewusste Konsumenten haben immer schon die Preise verglichen. Seit es im Internet Preisvergleichsplattformen gibt, ist diese den Geldbeutel schonende Methode bequemer und schneller geworden. Manchen Leuten, vor allem Händler, die nicht selbst auf einer dieser Plattformen vertreten sind, sind diese Online-Umschlagplätze ein Dorn im Auge.

Sie befürchten, dass durch die Preistransparenz im Internet der Preisdruck zunehmen könnte. Der Frage, ob dem so ist oder nicht, ging eine Studie des Betriebswirtschaftszentrums der Universität Wien auf den Grund und wollte wissen: "Wie wirken sich Preisvergleichsplattformen auf das Verhalten von Händlern und Konsumenten aus?". Als Fallbeispiel diente dabei die österreichische Preisvergleichsplattform Geizhals.at.

Angst ist unbegründet

Befragt wurden dazu sowohl Händler, die auf Geizhals vertreten sind, als auch Händler, die keine Preisvergleichsplattform nutzten. Dabei kristallisierte sich heraus: Die Angst des Handels, im Internet aufgrund des erhöhten Preisdrucks keine Gewinne machen zu können, ist laut Studie unbegründet. Denn: Nicht allein der Preis ist ausschlaggebend dafür, ob der Kunde sich für das jeweilige Produkt entscheidet, sondern auch, welchen Service und welche Lieferkonditionen das dahinter stehende Geschäft bietet.

"Nicht der Billigste ist im Internet der Erfolgreichste, sondern derjenige, der seine Kundenbeziehungen pflegt", so das Resümee der Studienverfasserin Fanny Vilchez. Die Wichtigkeit von Kundenbindung und Kundenpflege hebt auch Universitätsprofessor Rudolf Vetschera vom Institut für Betriebswirtschaftslehre am BWZ hervor. "Die Studie zeigt: Auch in der New Economy gelten die Spielregeln der Old Economy. Im Internet geht es allerdings nicht mehr ums Händeschütteln, sondern darum, die Möglichkeiten, die einem Plattformen wie Geizhals.at bieten, zu nutzen und so den eigenen wirtschaftlichen Erfolg zu verbessern."

84 Prozent der auf Geizhals vertretenen Händler konnten den Angaben zufolge ihren Umsatz über die Preisvergleichsplattform steigern, 47 Prozent gaben eine positive Gewinnentwicklung an. (kat, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.06.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.