Der nötige Schuss Unbekümmertheit und sehr viel Kraft

22. Juni 2004, 19:39
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Mit Wayne Rooney drückt ein 18-Jähriger der Fußball-EM in Portugal seinen Stempel auf - In Waynes World tummeln sich noch ganz andere Youngsters, sie bringen den Körper mit und wollen nach oben

Lissabon - Sein Vater ist ein ehemaliger Boxer, seine Mutter eine ehemalige Küchengehilfin. Ehemalig deshalb, weil Wayne Rooney, der den Kroaten wie den Schweizern zwei Tore und sich selbst an die Spitze der EM-Schützenliste schoss, seine Eltern nicht mehr arbeiten lässt. Er hat ihnen und sich um 700.000 Euro ein Haus gekauft. Die Rooneys haben es geschafft.

Schließlich sorgte der Bub nicht erst in Portugal für Furore, er war Anfang 2003 mit 17 Jahren und 111 Tagen schon aller Zeiten jüngster Spieler und 206 Tage später jüngster Torschütze im englischen Team. Mit 16 hatte er für den FC Everton, den zweiten, den kleinen Klub Liverpools, getroffen, nicht gegen irgendwen, sondern gegen Arsenals Kanoniere, denen er damit eine Serie von 30 Partien ohne Niederlage beendete.

Ganz England liegt im Rooney-Fieber, die Zeitungen titeln "Roo Britannia" und "Mister Wayne-derful"", nennen ihn "König von England" und dichten Lieder um: "Fly me to the Roon", I did it my Wayne". Für die Fans ist Rooney einer von ihnen, einer aus der Arbeiterschicht, er strahlt nicht eben Sanftmut aus, bei der EM wäre der Schweizer Torhüter Stiel beinah seiner Attacke zum Opfer gefallen. "Es ist meine Art", sagt Rooney, "ans Limit zu gehen."

Neben der Unbekümmertheit teilt Rooney die körperliche Stärke mit etlichen anderen Jungkickern, die in Portugal für Furore sorgten und sorgen. Als jüngsten EM-Torschützen löste ihn Johann Vonlanthen beim Schweizer 1:3 gegen Frankreich ab. Bastian Schweinsteiger (19) und Philipp Lahm (20) sind deutsche Lichtblicke. Und hätte Fernando Torres (20), den sie "El Nino" nennen, gegen Portugal nicht die Stange, sondern ins Tor getroffen, so wäre er jetzt der spanische Rooney. Wer Torres haben will, möge Atletico Madrid 90 Millionen Euro überweisen.

Cristiano Ronaldo (19) hat den Portugiesen ein Goal und einen Assist gecheckt. Mit 17 debütierte er bei Sporting Lissabon, dann trumpfte er beim Eröffnungsspiel der neuen Sporting-Arena gegen Manchester United auf, und jetzt spielt er selbst mit Beckhams Nummer 7 bei den Engländern, denen der Deal im Sommer 2003 immerhin 17,5 Millionen Euro wert war. Bei den Niederländern vollzieht sich ein Generationenwechsel. Italiens Cassano (21) ließ Totti vergessen. Und, und, und.

Wayne Rooney spricht einen Slang, den selbst viele Engländer zu verstehen sich schwer tun. Beim FC Everton haben sie ihm nicht deshalb, sondern wegen verbaler Entgleisungen bereits Interview-Verbot erteilt. In Liverpool, wo sie Rooney als "Nachfolger der Beatles" ansehen, fühlt sich der Wunderknabe wohl. Er will Everton treu bleiben, doch hat der g'stopfte Chelsea-Boss Abramowitsch bereits seine Fühler ausgestreckt.

Mit dem plötzlichen Aufstieg geht die nicht minder plötzliche Popularität einher. Die Youngsters müssen sich sehr genau überlegen, wo sie wann wie auftreten. Wayne Rooney kann sowieso keinen unbeobachteten Schritt mehr in der Öffentlichkeit tun. Teamkapitän David Beckham und der Barde Robbie Williams wollen Rooney nun unter ihre Fittiche nehmen und auf den Rummel vorbereiten. Dann kann ja gar nichts mehr schief gehen.(Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe 23.06.2004)

  • Rooney ist bisher der Superstar der EM.

    Rooney ist bisher der Superstar der EM.

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