Eigentümerwechsel bei One ante portas

5. Juli 2004, 11:23
7 Postings

Mehrheitseigentümer E.ON könnte möglicherweise durch Orange ersetzt werden - Kein Kommentar von One - Marktanteil derzeit 20 Prozent

Der drittgrößte österreichische Mobilfunkanbieter One kommt nicht zur Ruhe. Mitte Mai wurde die Kündigung von 225 Mitarbeitern bekannt gegeben, kurz darauf das Finanzmanagement ausgetauscht. Wie heute die Tageszeitung "Wirtschaftsblatt" berichtet, will sich nun auch der deutsche One-Mehrheitseigentümer und Energieriese E.ON in den nächsten beiden Jahren zurück ziehen. Gerüchte über einen E.ON-Ausstieg hatte es schon lange gegeben, wurden aber immer von One dementiert. Der Mobilfunker wollte den Bericht heute nicht kommentieren, eine offizielle Bestätigung von E.ON steht noch aus. Der Energiekonzern ist in Österreich noch mit knapp 10 Prozent am Feuerfesthersteller RHI beteiligt.

50,1 Prozent

One gehört zu 50,1 Prozent E.ON, den Rest halten Telenor, Orange und TDC. Laut One haben die anderen Anteilseigner ein vertraglich zugesichertes Vorkaufsrecht. Zu den Gerüchten um einer Änderung der Eigentümerstruktur meinte das Unternehmen zu Jahresbeginn: "Wir haben seit fünf Jahren den gleichen Chef, die gleiche Marke und die gleichen Eigentümer – das können unsere Mitbewerber nicht von sich behaupten."

"Knapp unter 70 Mio. Euro"

2003 hatte One das operative Ergebnis (EBIT) von knapp 1 Mio. auf 29 Mio. Euro erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich von 155 Mio. Euro 2002 auf 196 Mio. Euro 2003 erhöht haben. Beim Umsatz hat One nach Eigenangaben von 620 auf 664 Mio. Euro zugelegt. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde blieb mit 35 Euro gleich. Der Cash-Flow sank von 100 Mio. Euro auf "knapp unter 70 Mio. Euro", so One zu Jahresbeginn bei der Präsentation der Bilanzzahlen. Anfang April hatte One einen 160 Mio. Euro-Auftrag an Ericsson zum Aufbau des Netzes der dritten Mobilfunkgeneration UMTS gegeben.

Schulden

Der Schuldenstand bewege sich mit rund 530 Mio. Euro auf Vorjahresniveau. Insgesamt habe das Unternehmen bisher rund 690 Mio. Euro Projektfinanzierung erhalten, wovon laut Schrötter aber bisher nur gut 500 Mio. genutzt wurden. Dazu kämen noch 900 Mio. Euro an Gesellschafterdarlehen.

"Eine Erhöhung unseres Anteils ist nicht ausgeschlossen."

Mit dem neuen Finanzchef Holger Püchert, bisher One-Aufsichtsrat und Controller bei E.ON, waren zuletzt die Spekulationen um einen E.ON-Ausstieg mit vorherigen harten Sparkurs zwecks Verbesserung der Bilanzzahlen wieder lauter geworden. Püchert soll im September seinen Job antreten, er folgt auf Christian Schrötter. Im November 2003 hatte es geheißen, der Mobilfunker Orange, Tochter der France Telecom, bewerbe sich als Nachfolger von E.ON. Eine Orange-Sprecherin hatte damals gemeint: "Eine Erhöhung unseres Anteils ist nicht ausgeschlossen." Zudem hieß es, Knackpunkt bei den Verhandlungen mit Orange sei das Vorkaufsrecht der norwegischen Telenor, der ebenfalls 17,45 Prozent gehören und die ihre Anteile ebenfalls erhöhen wolle.

Dritter Platz

Derzeit teilt sich der österreichische Mobilfunkmarkt wie folgt auf: Mobilkom Austria hat einen Marktanteil von 42,5 Prozent, es folgen T-Mobile mit 27,1 und One mit 20 Prozent. Alle drei Anbieter mussten geringfügig Anteile an den viertgrößten Netzbetreiber tele.ring abgeben, der 10 Prozent des Marktes betreut. Der Rest des GSM-Marktes entfällt auf die Wiederverkäufer Tele2 und eTel. Der Marktanteil des UMTS-Anbieters Hutchison (3) blieb mit 0,37 Prozent nahezu konstant. Hutchison wird in der Branche ebenfalls als Übernahmekandidat gehandelt, die ursprünglich angepeilte Kundenzahl in Österreich ist bisher deutlich hinter den Erwartungen geblieben. (APA)

  • Artikelbild
Share if you care.