E.ON plant One-Ausstieg

15. Juli 2004, 16:59
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Mehrheitseigentümer könnte möglicherweise durch Orange ersetzt werden - Kein Kommentar von One - Marktanteil derzeit 20 Prozent

Wien - Der drittgrößte österreichische Mobilfunkanbieter One kommt nicht zur Ruhe. Mitte Mai wurde die Kündigung von 225 Mitarbeitern bekannt gegeben, kurz darauf das Finanzmanagement ausgetauscht. Wie das "Wirtschaftsblatt" berichtete, will sich nun auch der deutsche One-Mehrheitseigentümer und Energieriese E.ON zurück ziehen. Gerüchte über einen E.ON-Ausstieg hatte es schon lange gegeben, wurden aber immer von One dementiert. Der Mobilfunker wollte den Bericht am Dienstag nicht kommentieren.

Auch E.ON will sich offiziell nicht festlegen, bis wann der Mehrheitsanteil verkauft werden soll. E.ON-Sprecher Christian Drepper hat am Dienstag auf Anfrage lediglich bekräftigt, dass sich der Konzern mittelfristig von seiner One-Beteiligung trennen werde. Den im "WirtschaftsBlatt" genannten Zeitrahmen von "maximal zwei Jahren" dementierte Drepper jedoch. "Das kann auch länger dauern", meinte der Sprecher.

Vorkaufsrecht

One gehört zu 50,1 Prozent E.ON, den Rest halten Telenor, Orange und TDC. Laut One haben die anderen Anteilseigner ein vertraglich zugesichertes Vorkaufsrecht. Zu den Gerüchten um eine Änderung der Eigentümerstruktur meinte das Unternehmen zu Jahresbeginn: "Wir haben seit fünf Jahren den gleichen Chef, die gleiche Marke und die gleichen Eigentümer - das können unsere Mitbewerber nicht von sich behaupten."

2003 hatte One das operative Ergebnis (EBIT) von knapp 1 Mio. auf 29 Mio. Euro erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich von 155 Mio. Euro 2002 auf 196 Mio. Euro 2003 erhöht haben. Beim Umsatz hat One nach Eigenangaben von 620 auf 664 Mio. Euro zugelegt. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde blieb mit 35 Euro gleich. Der Cash-Flow sank von 100 Mio. Euro auf "knapp unter 70 Mio. Euro", so One zu Jahresbeginn bei der Präsentation der Bilanzzahlen. Anfang April hatte One einen 160 Mio. Euro-Auftrag an Ericsson zum Aufbau des Netzes der dritten Mobilfunkgeneration UMTS gegeben.

Der Schuldenstand bewege sich mit rund 530 Mio. Euro auf Vorjahresniveau. Insgesamt habe das Unternehmen bisher rund 690 Mio. Euro Projektfinanzierung erhalten, wovon laut Schrötter aber bisher nur gut 500 Mio. genutzt wurden. Dazu kämen noch 900 Mio. Euro an Gesellschafterdarlehen.

Sparkurs

Mit dem neuen Finanzchef Holger Püchert, bisher One-Aufsichtsrat und Controller bei E.ON, waren zuletzt die Spekulationen um einen E.ON-Ausstieg mit vorherigen harten Sparkurs zwecks Verbesserung der Bilanzzahlen wieder lauter geworden. Püchert soll im September seinen Job antreten, er folgt auf Christian Schrötter. Im November 2003 hatte es geheißen, der Mobilfunker Orange, Tochter der France Telecom, bewerbe sich als Nachfolger von E.ON. Eine Orange-Sprecherin hatte damals gemeint: "Eine Erhöhung unseres Anteils ist nicht ausgeschlossen." Zudem hieß es, Knackpunkt bei den Verhandlungen mit Orange sei das Vorkaufsrecht der norwegischen Telenor, der ebenfalls 17,45 Prozent gehören und die ihre Anteile ebenfalls erhöhen wolle.

Übernahmekandidat Hutchison

Derzeit teilt sich der österreichische Mobilfunkmarkt wie folgt auf: Mobilkom Austria hat einen Marktanteil von 42,5 Prozent, es folgen T-Mobile mit 27,1 und One mit 20 Prozent. Alle drei Anbieter mussten geringfügig Anteile an den viertgrößten Netzbetreiber tele.ring abgeben, der 10 Prozent des Marktes betreut. Der Rest des GSM-Marktes entfällt auf die Wiederverkäufer Tele2 und eTel. Der Marktanteil des UMTS-Anbieters Hutchison (3) blieb mit 0,37 Prozent nahezu konstant. Hutchison wird in der Branche ebenfalls als Übernahmekandidat gehandelt, die ursprünglich angepeilte Kundenzahl in Österreich ist bisher deutlich hinter den Erwartungen geblieben. (APA)

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One

  • Österreichs drittgrößter Mobilfunker One gehört zu 50,1 Prozent E.ON, den Rest halten Telenor, Orange und TDC
    foto: one

    Österreichs drittgrößter Mobilfunker One gehört zu 50,1 Prozent E.ON, den Rest halten Telenor, Orange und TDC

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