Heute: Tschechien mit B-Team gegen Deutschland

23. Juni 2004, 22:39
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Neuauflage des EM-Finales von 1996 - Kahn warnt vor "Bluff" - Tschechen versprechen 100 Prozent

Lissabon - Tschechien ist als Sieger der Gruppe D bereits fix für das Viertelfinale qualifiziert, Deutschland benötigt unbedingt einen Sieg, um ebenfalls sicher und ohne fremde Hilfe aufzusteigen. Unter diesen Vorzeichen treten die Nachbarn am Mittwoch im Lissabonner Alvalade-Stadion in einer Neuauflage des Fußball-EM-Finales von 1996 gegeneinander an. In London hatte damals Oliver Bierhoff mit seinem Golden Goal zum 2:1 den Deutschen zum dritten EM-Titel verholfen. Seither wartet die DFB-Auswahl allerdings auf einen vollen Erfolg in einem EM-Spiel und hat in den bisherigen zwei Partien in Portugal nur ein einziges Tor erzielt!

"Es geht ums Prestige"

Obwohl die Tschechen ihren zweiten EM-"Anzug" präsentieren wollen und einige Stars wie Pavel Nedved, Jan Koller, Tomas Rosicky usw. schonen wollen, möchte man sich nicht dem Verdacht der Wettbewerbsverzerrung aussetzen. "Die Spieler, die zum Einsatz kommen, wollen zeigen, was sie können", beteuert Rosicky und dessen BVB-Klubkollege Koller fügt hinzu: "Alle werden 100 Prozent geben, es ist schließlich ein EM-Turnier und es geht ums Prestige." Und um eine Revanche für 1996. "Wir wollen unbedingt gewinnen", so HSV-Legionär Tomas Ujfalusi.

Zwar hat sich Trainerfuchs Karel Brückner öffentlich bisher nur auf den Verzicht seines Kapitäns Nedved festgelegt, doch dürfte er seine Elf im Hinblick auf das sonntägige Viertelfinale an mindestens fünf Positionen verändern, um weiteren Stammkräften eine Pause zu gönnen. "Unser Kader ist groß genug. Aber wir werden die Partie nicht auf die leichte Schulter nehmen", versprach der siegreiche Feldherr der EM-Quali-Gruppe mit Österreich und den Niederlanden.

Deutscher Kampf gegen Torflaute

Brückners Widerpart dürfte hingegen wieder zum Ein-Mann-Angriff namens Kuranyi zurückkehren. "Wir wollen den Tschechen nicht ins offene Messer laufen", sagt Rudi Völler, der trotz der Umstellung einen offensiven Gegner erwartet und um den angeschlagenen Jungspund Schweinsteiger (Wadenprellung) bangt. Die Torflaute - bisher hat nur Frings mit einer kuriosen Freistoß-Flanke gegen die Niederlande getroffen - soll vor allem Michael Ballack kompensieren.

Der Bayern-Star spielt diesmal eine verkappte zweite Sturm-Spitze und möchte sich in die Schützenliste eintragen. "Es ist wichtig, dass wir ihn so nah wie möglich ans gegnerische Tor bringen und er zum Abschluss kommt", skizziert Völler, der mit 44 Jahren der jüngste Teamchef der EM ist und von den 27 Pflichtspielen seiner Teamchef-Ära erst zwei verloren hat. "Der Druck auf mich ist nicht groß. Wir müssen gemeinsam gewinnen, jemand von uns muss scoren, das muss aber nicht ich sein", meinte Regisseur Ballack gelassen.

Mahnende Worte von Motivator Oliver Kahn

"Abschied" ist ein Fremdwort in den deutschen Reihen, dafür sorgt allein schon Wortführer und Motivator Oliver Kahn. "Ich beschäftige mich bestimmt nicht mit dem Ausscheiden", lässt er es mit bestimmter Stimme alle wissen, die es hören wollen. "Dass wir hier nicht im Hurra-Stil durchmarschieren, war vorher klar. Wir haben ein sehr gutes Defensiv-System, mit dem man sehr weit kommen kann", betont der Kapitän, der vor einem Bluff des Gegners warnt: "Zu glauben, wir hätten gegen tschechische Reservisten einen Vorteil, wäre das Dümmste. Jedes Team, das gegen uns spielt, will immer Vollgas geben." (APA/dpa/Reuters)

  • DEUTSCHLAND - TSCHECHIEN (Alvalade-Stadion in Lissabon, 20.45 Uhr MESZ, Schiedsrichter Terje Hauge/Norwegen)

    Deutschland: Kahn - Friedrich, Wörns, Nowotny, Lahm - Frings, Hamann, Ballack, Baumann, Schweinsteiger - Kuranyi Bei der nächsten Gelben Karte gesperrt: Ballack, Kuranyi, Friedrich, Hamann, Frings

    Tschechien: Blazek - Hübschman, Ujfalusi, Bolf, Jiranek - Plasil, Tyce, Smicer, Vachousek - Heinz, Baros Bei der nächsten Gelben Karte gesperrt: Galasek

    • DFB-Teamchef Rudi Völler gibt die Marschrichtung vor.

      DFB-Teamchef Rudi Völler gibt die Marschrichtung vor.

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