Heute: Niederlande am Rande des Abgrunds

23. Juni 2004, 22:39
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Auf Goliath wartet ein frecher David: Letten träumen von zweiter Sensation

Braga - Im ersten offiziellen Fußball-Länderspiel zwischen den Niederlanden, dem Europameister von 1988, und EM-Neuling Lettland darf nur ein etwaiger Sieger vom Euro-Viertelfinale in Portugal noch träumen. Aber auch nur dann, wenn Deutschland gleichzeitig Gruppensieger Tschechien nicht besiegt. Während die Balten nach ihren guten Vorstellungen gegen die Tschechen (1:2) und Deutschen (0:0) überhaupt nichts zu verlieren haben, stehen die Oranjes am Dienstag im Municipal-Stadion von Braga vor dem Abgrund.

Auf den niederländischen Goliath, der sich durch ewige Streitereien selbst schwächt und nie zu einer Einheit findet, wartet jedenfalls ein frecher David. "Nach der Niederlage gegen Tschechien und dem Remis gegen die Deutschen fehlt uns nur noch ein Sieg", tönt Letten-Teamchef Aleksandrs Starkows. Er war verantwortlich, dass der Fußball in Lettland das Eishockey, den Nummer-Eins-Sport, in den Schatten gestellt hat. Auch wenn Ex-Admiraner Astafjews und Co. verlieren sollten, werden sie in der Heimat als Nationalhelden gefeiert.

Aber von einer Heimkehr möchte Maris Werpakowskis derzeit noch gar nicht wissen. Ganz im Gegenteil. "Unser erster Traum von der Teilnahme an der EM-Endrunde ist wahr geworden, warum sollte nicht ein zweiter in Erfüllung gehen", fragt der 24-jährige Stürmer von Dynamo Kiew, der gegen Tschechien getroffen hat und dies auch gegen die Niederländer vorhat. Die Letten beklagen keine Ausfälle und dürften unverändert antreten.

Hingegen ist der Favorit zu Umstellungen gezwungen. Rechtsverteidiger Heitinga ist gesperrt, sein Ersatz Reiziger. Und im linken Mittelfeld ist Dick Advocaat förmlich gezwungen, den 20-jährigen Arjen Robben vom PSV Eindhoven zu bringen, dessen vorzeitiger Austausch in der Tschechien-Partie noch mehr Kritik auf den Teamchef niederprasseln ließ. Der ungeliebte Advocaat ist zum Siegen verdammt, bei einem vorzeitigen Out dürfte sein bis 2006 befristeter Vertrag wohl vorzeitig gelöst werden.

Der Bondscoach hatte sich am Montag auf der Pressekonferenz von seinem Co Willem van Hanegem vertreten lassen. Der Ex-Internationale meinte zur Ausgangslage: "Wir haben uns selbst in diese Position gebracht, also müssen wir da auch selber wieder herauskommen. Wir benötigen einen Sieg und denken über das andere Resultat gar nicht nach. Jeder weiß, dass es unsere letzte Chance und wie wichtig es für uns ist, sie zu nützen."

Der niederländische Goalgetter Ruud van Nistelrooy appelliert: "Wenn wir uns aufgeben, haben wir schon verloren." Und Mittelfeld-Antreiber Edgar Davids sagt: "Natürlich gefällt uns nicht, dass wir davon abhängig sind, was die Tschechen machen. Wir müssen uns auf unser Spiel gegen die Letten konzentrieren, wir wissen, wie gut sie gegen die Tschechen und gegen die Deutschen waren."

Der EM-Debütant hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Vielleicht gelingt es ihm nun, die Niederländer, die bei ihren bisherigen sechs EM-Teilnahmen nur ein Mal (1980) in der Vorrunde scheiterten, zu verabschieden. "Wir besitzen eine realistische Chance aufs Viertelfinale", bringt es Starkows auf den Punkt. (APA/Reuters)

  • NIEDERLANDE - LETTLAND (Municipal-Stadion in Braga, 20.45 Uhr MESZ, Schiedsrichter Kim Milton Nielsen/Dänemark):

    Niederlande: van der Sar - Reiziger, Stam, Bouma, van Bronckhorst - Seedorf, Davids, Cocu - van der Meyde, van Nistelrooy, Robben Gesperrt: Heitinga. Bei der nächsten Gelben Karte gesperrt: Stam, Cocu, Seedorf

    Lettland: Kolinko - Isakows, Stepanows, Zemlinskis, Blagonadezdins - Bleidelis, Lobanows, Astafjews, Rubins - Prohorenkows, Verpakowskis Bei der nächsten Gelben Karte gesperrt: Astafjews, Isakows

    Bilanz: bisher keine Länderspiele

    • Großer Besucher-Ansturm beim Training der Niederländer: Patrick Kluivert gibt Autogramme.

      Großer Besucher-Ansturm beim Training der Niederländer: Patrick Kluivert gibt Autogramme.

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