Ginseng-Oase in der deutschen Heide

19. Dezember 2004, 17:42
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Im niedersächsischen Walsrode betreibt ein Bauer Europas einzige Ginseng-Produktion

Walsrode - Der Bauernhof von Heinrich Wischmann imniedersächsischen Walsrode ist die Pilgerstätte für Ginseng-Liebhaberaus ganz Deutschland. Mit seiner "Florafarm" betreibt der 64-jährigeLandwirt hier das einzige Ginseng-Anbaugebiet Europas. Auf 7,5 Hektarwird koreanischer Ginseng der Sorte "Panax Ginseng C.A. Meyer"angebaut und verkauft - für einen Euro pro Gramm.

Vor 20 Jahren kam dem Landwirt die Idee zur Ginseng-Produktion,"mit dem Dollarzeichen in den Augen", wie er gesteht. Er reiste nachKorea, dort wollte man ihm aber nichts über den Anbau verraten,geschweige denn kostbares Saatgut verkaufen. In den USA lernte ereinen Chinesen kennen und reiste schließlich mit einerStreichholzschachtel voll Samen zurück. Wie das Geschäft genauablief, will Wischmann bis heute nicht sagen, denn noch immer liefertder Chinese Samen nach Walsrode.

Viel Lehrgeld und vor allem Geduld

"Die Anfangsjahre waren schwierig, denn der Anbau warkomplizierter und aufwendiger als gedacht", sagt Junior-Chefin GesineWischmann. "Wir haben viel Lehrgeld zahlen müssen, erst seit knappzehn Jahren ist Ginseng für uns profitabel", betont sie. Denn diePflanze sei überaus empfindlich, brauche viel Schatten und andauerndePflege.

Und vor allem Geduld ist erforderlich, immerhin dauert es von derAussaat bis zur Ernte der kostbaren Wurzel sechs Jahre. Dieunscheinbare Pflanze, die unter schwarzen Planen auf den Heideäckernangebaut wird, wächst nämlich nur rund drei Zentimeter pro Jahr. Vonden rund 800.000 pro Quadratmeter ausgesäten Pflanzen überlebt zudemnur ein Bruchteil. Der Rest fällt Schädlingen, Mäusen, Hasen oder demWind zum Opfer.

Ginseng: immunsystemstärkend und anregend

Ginseng soll das Immunsystem des Körpers kräftigen und vorKrankheiten schützen, das Gehirn anregen und sogar bei sexuellenProblemen helfen. Wissenschaftlich ist das alles sehr umstritten,doch das stört die die Fans der krummen Wurzel nicht. Schließlichwird Ginseng seit über 1.000 Jahren angebaut und war einst nurKaisern und Königen vorbehalten. Inzwischen schwören vor allemRentner auf die Wurzel, und jährlich strömen rund 30.000 Gäste zurFlorafarm.

Hier reicht das Angebot von Kapseln über Kosmetik-Produkte bis zumGinseng-Shampoo. Und natürlich wird auch die Ginsengwurzel verkauft -beispielsweise als "Wurzelkur" mit 100 Gramm für 84 Euro. DieWischmanns schwören auf die Qualität ihres Ginsengs. Der enthalte mitdrei bis fünf Prozent der wirksamen Ginsenoside deutlich mehr als diegesetzlich vorgeschriebenen 1,5 Prozent, heißt es. NeuesteProduktidee ist ein Ginseng-Energy-Drink. Die Juniorchefin hat ihnbereits selbst ausgiebig getestet - und war anschließend "high",scherzt sie.

16 Mitarbeiter sind inzwischen auf der Florafarm beschäftigt, diepro Jahr einen Umsatz von rund einer Million Euro erzielt. Die Bauernder Region haben die exotische Geschäftsidee zunächst belächelt, dochdas ist nicht nur wegen des wirtschaftlichen Erfolges vorbei. "Auchunsere Nachbarn haben wir überzeugt, denn einige haben unserenGinseng bereits erfolgreich bei Gesundheitsproblemen ausprobiert",sagt Wischmann. (Von Manfred Rolfsmeier/AP)

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