Liebe und Gewalt in Steyr

7. Juli 2004, 10:55
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Rosi und Anderl verleihen als Liebende dem Religionskrieg das menschliche Antlitz: "Salva Guardia"-Uraufführung

Salva Guardia, so hießen die Schutzschilder der katholischen Kaisertreuen, die sie vor Übergriffen der eigenen Gegenreformationstruppen im Chaos der Bauernkriege schützen sollten. Wir schreiben Steyr im Jahre 1626. Nachdem die Katholischen die Protestantischen geschändet und gemeuchelt haben, sind nun diese dabei, dasselbe zu tun.

Für Autor Oskar Zemme bilden die tatsächlichen Ereignisse in Steyr den realen Fokus einer Endlosschleife. Unterlaufen wird diese von unten, von jungen Liebenden: Rosi und Anderl. Zemme ist mit Salva Guardia ein handfester Theaterwurf gelungen, der im historischen Ambiente des Burggrabens von Schloss Lamberg hoch über dem Zusammenfluss von Enns und Steyr seine Wirkung nicht verfehlt.

Nach Shakespeareschem Vorbild ergeben gegenseitige Aufrechnungen, brutale Führer, tapfere und weniger tapfere Frauen, Wendehälse, religiöse Eiferer, besoffene Totengräber und trotzige Liebende eine pralle Theatermischung, die von Regisseur Daniel Pascal und dem Styria-Theater gekonnt im eindrucksvollen, von Manfred Sulzbacher adaptierten mauer- und viaduktgesäumten Raum aufbereitet wird.

Aus dem engagierten Ensemble ragen Peter Malzer als Klischeebild des raffinierten Mönchleins, Eike Baum, die eine wundervolle Wahrsagerin spielt, Doris Schüchner (Feldschreiberin Agnes) und die junge, begabte Christina Höritzauer (Rosi) heraus. Steyr ist allemal eine Reise wert! (kann/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2004)

Schlossgraben von Schloss Lamberg
0676/ 77 01 615
Do-Sa bis 4. 7., 20.30 Uhr

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Salva Guardia
  • Artikelbild
    foto: salvaguardia.at
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