Bodensee: Badespaß trotz Naturschutzes

4. Oktober 2005, 11:14
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Neues Informations- und Leitsystem wurde im Bregenzer Naturschutzgebiet präsentiert

Bregenz - Nach langem Hin und Her wurde am Montag das neue Informations- und Leitsystem für das Naturschutzgebiet Mehrerauer Seeufer präsentiert. 50 Infotafeln sollen das "Naturjuwel" (Bürgermeister Markus Linhart) künftig vor rücksichtlosen Schilfbadern und Würstelgrillern schützen.

Obwohl das Gebiet bereits 1991 unter Schutz gestellt wurde und Teil eines europäischen Life-Projektes ist, hatte der Freizeitspaß bisher Vorrang. Pro Badesaison werden 50 Tonnen Mist eingesammelt. Nach einem schönen Sommerwochenende transportiert der städtischen Bauhof durchschnittlich vier Lkw-Ladungen Müll aus dem Naturschutzgebiet.

Da die EU ihre Förderungen für das Life-Projekt einzustellen drohte, weil Besucherlenkung und Monitoring fehlten, werden nun kleine Teilbereiche des 130 Hektar großen Natura-2000-Gebietes zwischen Kloster Mehrerau und Bregenzerachmündung gänzlich für die Freizeitnutzung gesperrt. Bunte Piktogramme zeigen auf, was wo erlaubt oder verboten ist. "Weil ja ganz Vorarlberg bei uns baden will" (Linhart) suchte man in Bregenz einen Kompromiss zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung.

Herausgekommen ist ein Freizeit-Uferstreifen mit einzelnen Naturrefugien. Den Besuchern werden neue Liegewiesen mit Grillstellen geboten, die zwischen fünf Uhr morgens und ein Uhr nachts benutzt werden dürfen. Dafür sollen sie das Bodenseevergissmeinnicht sprießen und die Wasservögel ungestört brüten lassen.

Eine FKK-Initiative, die das Ufersanierungsprojekt zum Scheitern bringen wollte, geht leer aus. Der von ihr bevorzugte versteckte Uferstreifen darf nur noch bei Niedrigstwasserstand betreten werden. Was in der Regel an wenigen Tagen im Juni und in der zweiten Augusthälfte der Fall sein wird. Einsprüche der streitbaren Bader erwartet man nicht. Landesrat Erich Schwärzler: "Das ist eine Verordnung und die gilt." Für deren Einhaltung sorgen Naturwacht, ein privater Sicherheitsdienst und die Stadtpolizei. (jub, ER STANDARD, Printausgabe vom 22.6.2004))

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