Kofler wirft IOC "altmodische Kungelei" vor

1. Juli 2004, 23:27
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Premiere will "nicht der Resteverwerter" sein

Premiere-Chef Georg Kofler hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) für die Vergabe der Europa-Fernsehrechte für die Winterspiele 2010 in Vancouver und die Sommerspiele 2012 erneut heftig kritisiert. "Dieser Prozess beim IOC ist von altmodischer Kungelei geprägt", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung des Abo-Senders am Montag beim 16. "medienforum.nrw" in Köln.

Kofler erneuerte vier Tage nach der Rechte-Vergabe an die Europäische Rundfunk-Union (EBU) mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ARD und ZDF seine Ankündigung, die Entscheidung des IOC nicht ohne Widerspruch hinnehmen zu wollen. "Wir werden dieses Verfahren mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln juristisch anfechten", sagte er. Kofler ließ einen Zeitplan offen.

Erstmals öffentliche Ausschreibung

Auf Druck der Wettbewerbskommission der Europäischen Kommission (EU) und um eine Konkurrenzsituation zum Privat-TV zu schaffen, hatte das IOC die Europa-Rechte erstmals öffentlich ausgeschrieben. Premiere hatte für die deutschen Rechte nach eigenen Angaben etwa 200 Millionen Dollar angeboten. "Die EBU ist ganz klar ein wettbewerbswidriges Einkaufskartell. Bei uns wird die Irritation sehr nachhaltig sein", stellte Kofler fest.

Günter Struve, Programmdirektor der ARD, widersprach Kofler und sagte, er glaube nicht, "dass das IOC gekungelt hat". Es fühle sich bei dem Partner EBU "sicher und aufgehoben". Die Rechte umfassen erstmals das komplette Paket einschließlich der Rechte für Rundfunk, Mobiltelefone und Multimedia. Seit der erstmaligen Vergabe zu den Sommerspielen 1960 in Rom waren die TV-Rechte nahezu automatisch an die EBU gegangen.

Das IOC erwartet eine Unter-Lizenzierung, mit der das gesamte Angebot von fast 4.000 Sendestunden von Sommerspielen breit angeboten werde. Dies soll auch anderen deutschen Sendern eine Chance eröffnen. Kofler erneuerte in Köln jedoch, dass sein Unternehmen "nicht der Resteverwerter" sein wolle. Das sei nicht das Selbstverständnis von Premiere. (APA/dpa)

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