Kürzerer Wehrdienst vielleicht im Wahljahr

4. Juli 2004, 12:19
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Verteidigungsminister Platter will Grundwehrdiener anders ausbilden und mehr einsetzen

Wien - Wenn es sich organisieren lässt, will Verteidigungsminister Günther Platter den Wehrdienst nicht erst 2007 (nach dem Auslaufen des Assistenzeinsatzes an der Schengen-Grenze im Osten Österreichs), sondern wenn möglich auch früher auf sechs Monate verkürzen. Dann wäre die Wehrdienstverkürzung - und eine gleichzeitige Verkürzung des Zivildienstes - bereits im Wahljahr 2006 wirksam.

Festlegen mag sich Platter vorläufig noch nicht, er lässt die Vorschläge der Bundesheer-Reformkommission jetzt schrittweise umsetzen. Dabei bekommt das Bundesheer der Zukunft (mit Zeithorizont 2010) langsam Konturen:

  • Gegliedert wird das in seinem Umfang auf die Hälfte reduzierte Bundesheer in Brigaden, die selbstständig alle Einsatzaufgaben bewältigen können müssen. Diese Aufgaben aber haben sich geändert, weshalb Platter einen Teil der schweren Waffen - etwa aus Panzer- oder Artilleriebataillonen - reduzieren und wenn möglich zu Geld machen will.

  • Innerhalb der Brigaden sollen insgesamt vier "kaderpräsente" Bataillone geschaffen werden. Dahinter verbirgt sich der Nukleus eines Berufsheeres. Kaderpräsente Verbände bestehen aus Berufssoldaten: "Das heißt Profis, die jederzeit als eingespieltes Team im In-und Ausland eingesetzt werden können."

  • Jeder, der sich künftig über die allgemeine Wehrpflicht hinaus als Soldat verpflichtet, muss bereit sein, auch in einen Auslandseinsatz geschickt zu werden - Grundwehrdiener sollen dagegen prinzipiell nicht für Auslandsaufgaben herangezogen werden.

  • Das wäre auch sachlich kaum möglich: Die verkürzte Wehrdienstzeit wird eine komplette Ausbildung für eine spätere Feldverwendung gar nicht mehr zulassen. Platter erläuterte auf die Frage des STANDARD, dass die Ausbildungszeit gestrafft werden soll. Dabei dürfte eher der körperlichen Bewegung (die den jungen Leuten Spaß macht) als dem militärischen Drill der Vorzug gegeben werden. Die Heeresreformer meinen nämlich, dass ein Einsatz von Rekruten am "vorderen Rand der Verteidigung" ohnehin nicht mehr erforderlich sein wird.

  • Dennoch sollen die Rekruten vermehrt in die Einsatzorganisation eingegliedert werden - damit sie den Betrieb kennen lernen und sich womöglich als Berufs- oder Milizsoldaten weiterverpflichten.

  • Die Systemerhaltung soll zurückgedrängt werden. Es soll weniger Wachdienste geben, weil nur mehr bewacht werden soll, was bewacht werden muss. Was nicht vom Heer selber verwaltet werden muss, soll ausgegliedert werden - etwa das Fuhrparkmanagement, die Truppenküchen oder die Verwertung von Liegenschaften. Von denen soll verkauft werden, was möglich ist - dennoch werde das kleine Heer in allen Bundesländern präsent bleiben. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 22.6.2004)
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