Erstmals echte Wahl für Bawag-Mitarbeiter

18. Juli 2004, 18:34
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Betriebsratswahl mit drei Listen statt einer

Wien - Die Erste Bank hat es hinter sich, die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) ebenfalls - jetzt ist die Bawag dran: Betriebsratswahlen.

Doch während die Wahl in der BA-CA für Aufsehen gesorgt hatte (der Betriebsrat liegt mit dem Vorstand wegen der geplanten Dienstrechtsreform im Dauerclinch), hat sich der Wahlkampf in der Bawag hinter dicken Vorhängen abgespielt.

Wahlberechtigt sind 2500 Wiener Bawag-Mitarbeiter. Nicht zur Wahl gerufen sind die Mitarbeiter der P.S.K.: Sie ist trotz Kauf durch die Bawag ein selbstständiger Betrieb und hat daher auch ihren eigenen Betriebsrat.

"Demokratischer Vielfalt"

Erstmals haben die Mitarbeiter der Bawag, die nach dem Rauskauf der Bayern jetzt zu hundert Prozent dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) gehört, eine echte Wahlmöglichkeit: Es kandidieren drei Listen. Bisher gab es nur die Liste der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), die 17 von 17 Mandaten innehat und bei der letzten Wahl rund 88 Prozent der Stimmen bekam. FSG-Listenführerin und Bawag-Zentralbetriebsratschefin Ingrid Streibel-Zarfl: "Dass es jetzt drei Listen gibt, ist ein Zeichen demokratischer Vielfalt."

Die herzustellen dürfte aber gar keine leichte Übung gewesen sein. Die "Namensliste Preihs" wurde erst nach einem Einspruch des Wahlwerbers überhaupt zugelassen. Josef Preihs, Softwareentwickler in der Bawag-P.S.K.-Tochter Datendienst, führt die unabhängige Liste an. Sein Ziel: "Drei Mandate. Damit wollen wir einen Fuß in die Tür stellen, um die Konzernpolitik aktiv mitgestalten zu können."

Unterkühlte Beziehung

Gleiches plant die Liste "Unabhängige Gewerkschafter" (UG). Ihre Existenz erklärt sich aus der unterkühlten Beziehung zwischen Bawag-Betriebsrat und P.S.K.-Betriebsratschef Volkmar Harwanegg: Er, der das Bawag-Management gern kritisiert und die Bawag-Betriebsräte für etwas zu angepasst hält, habe die UG-Liste initiiert, ist aus der Bank zu hören.

Eines der wichtigsten Projekte, mit dem sich der neue Betriebsrat befassen wird: Die Harmonisierung der Gehälter von Bawag- und P.S.K.-Mitarbeitern, die der Vorstand bis Jahresende durchbringen will.

Derzeit dürfte die Bawag-Crew die Nase vorn haben, ein "Dschungel von Zulagen" (Streibel-Zarfl) macht den Durchblick aber extrem schwierig. Der Name des Projekts: "Unisono". (Renate Graber/DER STANDARD Printausgabe, 22.06.2004)

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