"Frühe Verluste sind die besten"

28. Juni 2004, 14:44
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Ein kalter Frühling, eine flaue Konjunktur sowie schnell wechselnde Moden setzen dem Handel heuer wieder zu - Pünktlich zu Sommerbeginn begann der Schlussverkauf

Ein kalter Frühling, eine nach wie vor flaue Konjunktur sowie schnell wechselnde Moden setzen dem Handel heuer wieder zu. Pünktlich zu Sommerbeginn begann der Schlussverkauf.

Wien - "Frühe Verluste sind die besten", sagt Wiens Textilhandelsvorsteher Helmut Schram - ein branchenüblicher Sarkasmus, der gebracht wird, wenn Textilianer auf das Thema "Ausverkauf - früher als je zuvor" angesprochen werden.

Bittere Realität

Der Spruch ist bittere Realität für den österreichischen Modehandel, seit die Kauflaune der Österreicher konjunkturbedingt schlechter wurde: Auch heuer werden sehr früh massiv Rabatte eingeräumt, um Platz für die ständig nachkommende Mode zu schaffen. In den letzten Jahren hat der Handel fast flächendeckend auf bis zu zwölf Lieferungen pro Jahr umgestellt, anstatt wie früher nur zwei.

Der Frühling war kalt und verregnet. Das half zwar, so genannte "Übergangskleidung" wie etwa Sweater oder Windjacken abzusetzen, so Schram im STANDARD-Gespräch. Der viel größere Teil der Sommerkollektion - T-Shirts, Bademode, Strandkleider, leichte Sakkos etc. - verblieb aber in den Regalen. "Die Saison ist konträr zur vorigen."

Ganzjähriger Ausverkauf

Im Vorjahr herrschte zwischen Mai und September fast durchgehend Hochsommer. Trotzdem begann auch 2003 der Ausverkauf früh. Handelsexperte Peter Voithofer von KMU Forschung Austria dazu: "Aktionen laufen heutzutage schon das ganze Jahr. Es kommt nur drauf an, wie nennen wir das Kind."

In der "offiziellen" Inflationsberechnung über den Verbraucherpreisindex scheinen Aktionen nicht auf, da nur nicht reduzierte Preise im Warenkorb verwendet werden dürfen, um eine Kontinuität zu wahren.

"Saldi, Soldo, Sale"

Zu Wochenbeginn wurden sowohl bei Boutiquen wie auch bei den Filialisten eifrig Auslagen umdekoriert. Wichtigste Bestandteile: die Wörter "Sale", "Saldi" und das "%"-Zeichen. Ein Ausverkaufspanoptikum aus Österreichs meistfrequentiertem Einkaufsgebiet, dem "goldenen U" von Kohlmarkt, Graben und Kärntner Straße in Wien: Bei Luxusmarken wie Akris sind "Saldi, Soldo, Sale" Teil des distinguierten Schaufensterdesigns, Escada gibt 30 Prozent auf Einzelteile.

n den grünen Palmers-Filialen sind die Auslagen flächendeckend voll mit Prozentzeichen auf orange-pinkem Hintergrund. Bei Fürnkranz dominieren große rote Prozentzeichen, dahinter werden die Puppen gerade neu eingekleidet, alte Preise durchgestrichen.

Im Schuhandel ist Marktführer Humanic noch nicht auf den Ausverkaufszug aufgesprungen, die Konkurrenz - Salamander etwa - hingegen schon. Die Jungmenschenausstatter - Orsay, Mango und Konsorten - tun es dem Marktführer gleich: H&M beklebte die Fenster flächendeckend mit "50 % Sale"-Folien. Peek & Cloppenburg macht ebenfalls mit. Bei Zara hingegen findet sich derzeit noch kein Hinweis auf spezielle Rabatte.

Böses Omen

"Das ist kein gutes Zeichen", sagt auch Peter Schnedlitz, Handelsprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien, dazu, dass auch der Marktführer zu Sommerbeginn bereits mit Nachlässen wirbt, "die Umsätze dürften insgesamt heuer im Keller sein". (Leo Szemeliker/DER STANDARD Printausgabe, 22.06.2004)

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    Zu Wochenbeginn wurden Auslagen neu gestaltet: Das S-Wort oder das Zeichen "%" waren fast überall zu sehen.

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