Nicht alle Sonnenschutzmittel erfüllen ihren Zweck

6. Juli 2004, 10:58
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Bei fünf von 17 Produkten im "Konsument"-Test wurde Lichtschutzfaktor um mehr als 20 Prozent unterschritten

Wien - Der entscheidende Faktor beim Sonnenbaden ist der Lichtschutzfaktor (LSF): Ohne ausreichenden Schutz wird man statt braun zur "Rothaut". Unter Österreichs Sonnenanbetern scheint sich das UV-Risiko mit allen negativen Folgen bis zum Hautkrebs langsam herumzusprechen: Sonnenschutzmittel mit höheren Faktoren von 15 bis 20 sind der Zeitschrift "Konsument" zufolge gefragt. Allerdings stimme der auf der Packung angegebene Wert nicht immer mit der Wirklichkeit überein, hat ein Test ergeben.

Bei fünf Produkten wurde der ausgepriesene Schutzfaktor um mehr als 20 Prozent unterschritten. Die Produkte Annemarie Börlind Natural Beauty Sonnen-Milch, Avon Bronze All Round Protection Sonnenlotion, Sun Dance Sonnenmilch, Lavera Sun sensitive Family Sun-Spray und Tiroler Nussöl Sonnenmilch wurden deshalb als "nicht zufrieden stellend" beurteilt. Beim letztgenannten Produkt ist das überdies nicht zum ersten Mal vorgekommen. "Sehr gut" schnitten die Lotion Sun Ozon von Müller ab, gleichzeitig das preiswerteste Produkt im Test, weiters Ambre Solaire Sonnenmilch, Solar Expertise Pflege-Spray von L'Oreal und Nivea Sun Feuchtigkeits-Sonnenmilch.

"Wasserfest" nicht zu wörtlich nehmen

Den Begriff "wasserfest" sollte man nicht zu wörtlich nehmen. So darf sich ein Produkt schon nennen, wenn nach zwei Mal 20 Minuten noch die Hälfte des ursprünglichen Schutzes vorhanden ist. Nach dem Baden sollte man daher nachcremen. Wenig zu kritisieren gab es bei den Inhaltstoffen. Im Test zeigten sich nur vereinzelt unbedeutende Nebenwirkungen.

Univ.-Prof. Dr. Herbert Hönigsmann, Vorstand der klinischen Abteilung für spezielle Dermatologie und Umweltdermatosen am Wiener AKH, zum Thema Lichtschutzfaktor: "Eigentlich wären diese hohen Faktoren nicht angebracht, denn weder in den Tropen noch in den Bergen wird die 60fache Sonnenbranddosis der Haut erreicht. Schließlich ist der Tag ja gar nicht so lang. Allerdings weiß man, dass der Konsument niemals das Sonnenschutzmittel so dick aufträgt wie bei den üblichen Testverfahren. Man kann davon ausgehen, dass die Anwender in der Praxis maximal ein Drittel dieser Schichtdicke auftragen - daher ist der tatsächliche Schutzfaktor natürlich auch geringer."

Chemische Lichtschutzfaktoren kritisiert

Chemische Lichtschutzfaktoren sind jüngst wegen angeblich hormonähnlicher Wirkungen in die Kritik geraten. "Tatsächlich hat eine Gruppe Wissenschafter in Zürich an Zellkulturen eine östrogenartige Wirkung von chemischen UV-Filtern nachgewiesen. Diese Testergebnisse lassen sich jedoch nicht auf den Menschen übertragen und wurden auch in Folgestudien schon widerlegt", betont Hönigsmann, Allergien auf chemische Filter seien sehr selten.

Neuester Trend sind so genannte Repair-Substanzen, die Sonnenschäden in den Zellen reparieren sollen. "Wir waren am AKH an den internationalen Studien dazu beteiligt", so Hönigsmann. "Diese Substanzen können tatsächlich die Zellreparatur beschleunigen. Da sie nur im Dunklen wirken, sind sie eigentlich für die Zeit nach dem Sonnenbad gedacht. Mittlerweile gibt es aber auch Sonnencremen, die diese Repairenzyme zusätzlich zu UV-Filtern enthalten."(APA)

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