Telekom-Börseabgang wäre für Erste Bank "schwerer Verlust"

28. Juli 2004, 11:24
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Gerade Kapitalisierung und Liquidität Grund für internationales Interesse an Austro-Aktien - "Mauerblümchendasein der Wiener Börse zu Ende"

Wien - Von einer Übernahme der Telekom Austria (TA) durch die Swisscom gehen die Aktienanalysten der Erste Bank nicht unbedingt aus, sie legen Investoren TA-Papiere aber dennoch als "Topempfehlung" ans Herz. "Wir können nicht beurteilen, was die ÖIAG macht", sagte Wien-Chefanalyst Günther Artner am Montag vor Journalisten. Bisher habe die Staatsholding stets eine Privatisierung über die Börse signalisiert. Fraglich sei zudem, ob Swisscom und TA gut zusammenpassen würden. Den in Medien genannten Kaufpreis von rund 15 Euro pro Aktie hält Artner aber für ein "realistisches Niveau" im Übernahmefall.

"Relativ defensive Aktie"

Ohne den Einstieg eines strategischen Partners nennt Artner 14 Euro als Kursziel. Die Kostensenkungen seien im Plan, und die Ergebnisse zeigten steigende Tendenz. Die Bewertung liege im Durchschnitt der Telekombranche, wobei der Analyst den gesamten Sektor für billig hält. "Wir empfehlen die Telekom Austria, weil sie eine relativ defensive Aktie ist", fasst Artner zusammen. Die Beurteilung sei ohne Berücksichtigung der neu aufgeflammten Übernahmegerüchte erfolgt.

Ein möglicher Abgang des ATX-Schwergewichts TA vom Kurszettel wäre ein "schwerer Verlust" für die Wiener Börse. Gerade deshalb, weil Artner die zuletzt stark gestiegene Marktkapitalisierung und höhere Handelstätigkeit in Wien für eine der Grundlagen für den aktuellen Höhenflug des Leitindex ATX hält. Das habe zusammen mit der "dominierenden Investmentstory Ostfantasie" international für mehr Interesse von Aktienanalysten gesorgt und große institutionelle Investoren nach Wien gelockt. "Das Mauerblümchendasein der Wiener Börse ist eigentlich zu Ende", so Artner.

ATX im Gleichschritt

Das zeige sich auch darin, dass sich der ATX zuletzt zunehmend im Gleichschritt mit den internationalen Aktienmärkten bewege. Die Bewertung liege mit einem Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 12 (auf Basis der erwarteten Gewinne für 2005) ungefähr gleichauf mit den westeuropäischen Börsen. Artner rechnet damit, dass der Wiener Markt - wie in Westeuropa - nach einer seitwärts gerichteten Tendenz während des Sommers im vierten Quartal wieder an Fahrt gewinnt. Seine Kursziele für den ATX liegen bis Ende Dezember 2004 bei 2.050 Punkten und auf 12 Monats-Sicht bei 2.170 Zählern.

Neben der TA rät Artner bei VA Tech (Kursziel 53 Euro), Wienerberger (32 Euro), BWT (24 Euro), Schoeller-Bleckmann (18 Euro), AT&S (19 Euro) und S&T (14 Euro) als "spekulativster Empfehlung" zum Kauf. (APA)

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