US-Zeitungsverleger schummeln bei Auflageziffern

1. Juli 2004, 23:35
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Eingeständnis einiger Titel - Klagen der Werbewirtschaft - Sorge um Image der Branche

Immer mehr amerikanische Zeitungsverleger werden dabei erwischt, ihre Auflageziffern zu fälschen. Am Freitag gestand die Tageszeitung "Newsday" (Long Island, New York), die Auflage um neun Prozent aufgebläht zu haben. Zwei Tage zuvor bekannte sich die "Chicago Sun-Times" zu dieser Praxis. Die Verleger fürchten, dass ihnen auf Grund des anhaltenden Leserschwunds die Anzeigenkunden weglaufen.

Analysten rechnen mit einer Zunahme der Betrugsfälle, weil das Auflagebüro Audi Bureau of Circulation das Schummeln in vielen Fällen gar nicht merkt. Im Fall "Newsday" haben Werbetreibende das Blatt wegen angeblicher Auflagefälschung für 100 Millionen Dollar verklagt.

Wahrscheinlichkeit von strafrechtlichen Maßnahmen

Auch die "Chicago Sun-Times" muss vor den Kadi. In Texas geht eine Gruppe von Zeitungsvertriebsfirmen gegen den Pressekonzern Hearst Newspaper Partnership vor. Hearst setze die Firmen ständig durch Forderungen unter Druck, die Verkaufszahlen aufzublähen. "Der Skandal wird die gesamte Branche in Mitleidenschaft ziehen", zitiert die New Yorker Tageszeitung "Daily News" am Sonntag einen Presse-Manager.

Mit der Ausweitung des Skandals nimmt auch die Wahrscheinlichkeit strafrechtlicher Maßnahmen gegen Zeitungsverlage zu. Gegen "Newsday" laufen bereits entsprechende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Der Anzeigenpreis richtet sich zum Teil nach der verkauften Auflage. Wird die garantierte Leserschaft nicht erreicht, bieten Verleger ihren Werbekunden in der Regel kostenlose Anzeigen an oder sie reduzierte die Preise.

"Der Zeitungsvertrieb ist ein dunkles Geschäft"

Ein New Yorker Anwalt hat gegen einen Verlag Klage unter dem so genannten RICO-Gesetz erhoben. Das ist nach wörtlicher Übersetzung eine Verschwörung von kriminellen Vereinigungen. Es ermöglicht die Verurteilung zur dreifache Schadenersatzsumme.

Nach Behauptung etliche Kläger beliefern viele Zeitungen Kioske mit zu hohen Stückzahlen; Unverkaufte Exemplare würden nicht zurückgeschickt, sondern landen im Papierkorb. "Der Zeitungsvertrieb ist ein dunkles Geschäft. Da wird mit vielen Tricks gearbeitet", sagt der New Yorker Rechtsanwalt Joseph Giaimo. (APA)

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