Red Bull stutzte Henkell die Flügel

1. Juli 2004, 10:57
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Der Absatz der Wiesbadener Sektkellerei sackte nach Abgabe des Vertriebs des Softdrinks um 19 Prozent auf 212,3 Millionen Flaschen ab

Wiesbaden - Die Trennung vom Energy-Drink "Red Bull" und der schrumpfende Sektmarkt in Deutschland haben den Umsatz der Wiesbadener Sektkellerei Henkell & Söhnlein einbrechen lassen. Wie das Unternehmen am Montag in Wiesbaden mitteilte, fiel der Umsatz im vergangenen Jahr von 624 auf 474 Mio. Euro. Der Absatz sackte zum Vorjahr um 19 Prozent auf 212,3 Mio. Dreiviertelliter-Flaschen ab, der Sektverkauf sank um 6,7 Prozent auf 118,2 Mio. Flaschen.

Henkell hatte bis Ende Mai 2003 "Red Bull" und den Softdrink "Carpe Diem" vertrieben und beiden Marken nach Angaben von Vorstandschef Hans-Henning Wiegmann eine starke Stellung verschafft. Deswegen habe der Eigentümer den Vertrieb selbst übernommen. Henkell büßte damit zwei Drittel seines Absatzes an alkoholfreien Getränken ein. Ohne diesen Einfluss wäre der Absatz um laut Wiegmann marktkonforme 4,3 Prozent gefallen.

Ertragslage "ganz ordentlich"

Die Ertragslage der zum Oetker-Konzern gehörenden Kellerei nannte Wiegmann "ganz ordentlich", ohne Zahlen mitzuteilen. Die ersten fünf Monate 2004 zeigten eine positive Tendenz: "Wir wachsen."

Die extreme Kaufzurückhaltung der Deutschen führe zu einem Preiskampf, den Henkell nicht mitmache, sagte Wiegmann. Sein Haus habe "aus qualitäts- und imagepflegenden Gründen" die Preise erhöht und dabei einen gewissen Mengenverlust einkalkuliert. Deutschlandweit sank der Sektverbrauch 2003 um 2,3 Prozent auf 3,8 Liter pro Kopf.

In acht Ländern vertreten

Nach dem Zukauf des rumänischen Sekt- und Wermut-Herstellers Astese im Herbst 2003 ist Henkell in acht europäischen Ländern vertreten und erzielt gut ein Drittel seines Umsatzes jenseits der deutschen Grenzen. Die Zukäufe der vergangenen Jahre seien keine Flucht vor deutschen Arbeitskosten, sondern eine strategische Expansion, sagte Wiegmann: "Wir gehen in neue Märkte." Zugleich werde an Organisation und Effizienz gearbeitet. Deshalb und wegen der Abgabe von "Red Bull" sei die Beschäftigtenzahl von rund 2.000 auf 1.880 gesunken; knapp jeder Dritte Beschäftigte arbeitete Ende 2003 in Deutschland. (APA/dpa)

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