Ex-Vivendi-Chef Messier festgenommen

15. Juli 2004, 16:59
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Zwei Jahre nach Milliarden-Desaster - Er wird der Beteiligung an Börsen-Manipulationen verdächtigt

Paris - Zwei Jahre nach dem Milliarden-Desaster des französisch-amerikanischen Medienkonzerns Vivendi Universal ist der frühere Unternehmenschef Jean-Marie Messier in Paris festgenommen worden. Wie die Polizei mitteilte, erfolgte der Zugriff, als Messier sich am Montagmorgen auf Vorladung der Brigade für Finanzdelikte in einem Justizgebäude im 13. Pariser Stadtbezirk einfand. Die Justiz geht mutmaßlichen Bilanzfälschungen nach, die während Messiers Tätigkeit als Vivendi-Chef erfolgt sein sollen. Das Unternehmen hatte allein 2002 Verluste von 23,3 Mrd. Euro verzeichnet. Mehrere Manager sollen Börsen-Informationen manipuliert haben.

Ermittlungen gegen Top-Management

Die Ermittler arbeiteten sich in den vergangenen Monaten von der zweithöchsten Führungsebene zu den Top-Verantwortlichen vor. Ende März 2004 wurden gegen den früheren Vize-Schatzmeister von Vivendi, Francois Blondet und gegen Finanzchef Hubert Dupont-Lhotelain förmliche Ermittlungen eingeleitet. Entsprechend gingen die Finanzbehörden auch gegen Philippe Guez vor, den früheren Chef der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Equities.

Drei Pariser Untersuchungsrichter prüfen seit Oktober 2002 den Verdacht, dass die Bilanzen des Mischkonzerns für die Jahre 2000 und 2001 gefälscht und damit Anleger gezielt getäuscht wurden. Untersucht wird einerseits, ob bei einem groß angelegten Aktien-Rückkauf Vivendis nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 alles mit rechten Dingen zuging. Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass die Vivendi-Manager den Börsenwert von Tochterunternehmen wie Cegetel, Maroc Telecom und Elektrim wissentlich falsch ansetzten.

Umstrittene Abfertigung

Messier war am 3. Juli 2002 von Vivendi entlassen worden, als das Unternehmen am Rande der Zahlungsunfähigkeit stand. Umstritten sind auch die Abfindungszahlungen, die er sich damals zusichern ließ. Unter der Führung von Messiers Nachfolger Jean-Rene Fourtou trennte sich der Konzern von zahlreichen Beteiligungen, darunter im Verlagswesen, und gab seine angestammte Wassersparte auf. Inzwischen trat eine gewisse Stabilität ein, der Börsenwert des Unternehmens sank auf einen Bruchteil. (APA)

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    Jean-Marie Messier wurde am 3. Juli 2002 von Vivendi entlassen.

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