Portugal feierte Nuno Gomes

22. Juni 2004, 18:21
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Auto-Korso, Hupkonzert, und Fahnenmeer in den Städten - Teamchef Scolari: "Habe Versprechen noch nicht eingelöst"

Lissabon - Nuno Gomes hat eine Nation in Freudentaumel versetzt. Bis in die Morgenstunden wurde in ganz Portugal der 1:0-Sieg über Spanien gefeiert, durch den sich die Portugiesen am Sonntagabend für das Viertelfinale der Fußball-EM qualifiziert haben. Mit einem satten Schuss von knapp außerhalb des Strafraums (57.) rettete der erst in der Pause eingewechselte "Joker" vor 52.000 Zuschauern im Alvalade-Stadion von Lissabon und Millionen TV-Zuschauern die portugiesische EM-Party, die erst mit dem Sieg im Finale am 4. Juli enden soll.

Stundenlang zogen in Lissabon die Fans durch die Straßen. Im Auto-Korso, mit Hupkonzert und Fahnenmeer feierten zehntausende Portugiesen auf der Avenida da Liberdade und der Praca dos Restauradores, ehe im Altstadt-Viertel Bairro Alto auf den Sieg angestoßen wurde. Ähnliche Jubel-Paraden spielten sich in Porto, Coimbra, Aveiro und allen anderen großen Städten ab. "Portugal hat dieses Spiel gewonnen. Nicht die elf Spieler, sondern alle. Das war ein Sieg für das ganze Land", meinte der Psychologe Mauro Corage.

Auch Teamchef Luiz Felipe Scolari vergaß in der Stunde des Triumphs nicht auf die Fans, die schon vor dem Spiel Spalier gestanden waren, als Figo und Co. vom Trainingscamp in Alcochete nach Lissabon gefahren waren. "Die Fans waren nicht der zwölfte Mann, sie waren der 13. und 14. Mann. Ohne sie hätten wir nicht die Kraft gehabt, uns ins Viertelfinale zu kämpfen", erklärte der Brasilianer.

Der historische Erfolg, der erste überhaupt in einem Bewerbspiel gegen Spanien, soll nach einem enttäuschenden EM-Auftakt mit der Niederlage gegen Griechenland aber nur der erste Etappensieg auf dem Weg zum ersten großen Titel gewesen sein. "Ich habe mein Versprechen noch nicht eingelöst, nämlich dass wir unter die besten Vier kommen", sagte Scolari, dessen Team nun am Donnerstag gegen den Zweiten der Gruppe B (Frankreich, England, Kroatien, Schweiz) um den Einzug ins Halbfinale spielt. Portugal will aber mehr, fordert vom Brasilianer, der die "Selecao" seines Heimatland bei der WM 2002 zum Titel geführt hat, nun auch, mit der portugiesischen "Selecao" den Pokal zu holen.

Am Sonntag hat Scolari Kritik verstummen lassen, die nach schwachen Leistungen in der Vorbereitung, darunter ein 0:3 gegen Spanien, laut geworden war. "Vor dem Turnier habe ich Geschichte in einem negativen Sinn gemacht, weil Portugal Spiele verloren hat, die es davor nie verloren hat. Aber das Spiel, in dem wir die Geschichte umschreiben mussten, das Spiel, von dem unser Aufstieg abhing, das war heute. Wir dürfen aber jetzt nicht den Fehler machen, schon ans Halbfinale oder Finale zu denken. So etwas können wir uns nicht leisten", so der 55-Jährige.

"Big Phil", wie er genannt wird, hat im Laufe der Vorrunde mit seinen Änderungen in der Aufstellung jedenfalls das richtige Gefühl bewiesen. Zunächst brachte er den eingebürgerten Brasilianer Deco, der den FC Porto zum Sieg in der Champions League geführt hat, für Spielmacher Rui Costa, nahm auch Abwehrchef Fernando Couto aus der Mannschaft, setzte auf Miguel und am Sonntag vor allem auf Cristiano Ronaldo. Das 19-jährige Super-Talent mit dem unglaublichen Ballgefühl und der enormem Schnelligkeit war von der Öffentlichkeit längst gefordert worden und sorgte in der ersten Hälfte auch für sehr viel Druck.

Ein goldenes Händchen hatte Scolari auch in der Pause, als er den neuerlich farblosen Stürmer Pauleta herausnahm und Nuno Gomes aufs Feld schickte. "Wir haben vorne mehr Bewegung gebraucht", sagte der Trainer. Elf Minuten später setzte sich der Benfica-Torjäger nach Pass von Figo gegen Juanito durch und rettete mit seinem Treffer der so genannten "Goldenen Generation" (Figo, Couto, Rui Costa), die 1991 die Junioren-WM gewonnen hat, die letzte Chance auf den ganz großen Titel.

"Wir sind glücklich, im Viertelfinale zu sein. Wir können sehr stolz sein, ich glaube, wir haben Großartiges geleistet. Denn wenn man zu Hause spielt, ist der Druck enorm, und alle Spieler haben diesen Druck gespürt. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert und dürfen nun gespannt sein, was das Viertelfinale bringt", meinte Kapitän Figo. In dem ist Pauleta nach seiner zweiten Gelben Karte gesperrt, aber Nuno Gomes hätte ihm den Platz wohl auch sonst abgenommen.(APA)

  • Der Jubel in Portugal hört gar nicht mehr auf - zuerst die Champions League und jetzt soll die EM folgen.

    Der Jubel in Portugal hört gar nicht mehr auf - zuerst die Champions League und jetzt soll die EM folgen.

  • Nuno Gomes lässt Portugal träumen.

    Nuno Gomes lässt Portugal träumen.

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