Aktie nach Spekulationen über Swisscom-Einstieg auf Rekordhoch

28. Juli 2004, 11:24
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Zeitweise fast zehn Prozent im Plus - ÖIAG und Finanzministerium geben zu Übernahme-Gerüchten keinen Kommentar ab

Wien - Übernahmespekulationen haben den Aktienkurs der Telekom Austria (TA) auf ein neues Rekordhoch getrieben: Montagvormittag lag der Titel zeitweise bis zu 9,6 Prozent kräftig im Plus, in der Spitze markierte die "Volksaktie" mit 12,82 Euro bei hohem Volumen den bisher höchsten Stand seit dem Börsengang im Herbst 2000. Nach jüngsten Medienberichten steht Österreichs größter Telefonkonzern vor dem Verkauf an die mehrheitlich staatliche Swisscom, die Schweizer wollen die Mehrheit und sollen bereit sein, bis zu 15 Euro pro Aktie zu zahlen.

ÖIAG schweigt

In der Staatsholding ÖIAG, mit 47,2 Prozent Hauptaktionär der TA, hält man sich dazu bedeckt. Medienberichte, wonach der seit mehr als einem Jahr mit wechselnder Intensität diskutierte Verkauf der Telekom an die Swisscom so "heiß" wie nie zuvor sei und "seriöse Sondierungsgespräche" geführt würden, wurden heute weder dementiert noch bestätigt. "Seitens der ÖIAG gibt es keinen Kommentar", so ÖIAG-Sprecherin Anita Bauer zur APA.

Angeblich sollen die Schweizer schon bei Finanzminister Karl-Heinz Grasser angeklopft haben. Auch im Finanzministerium hieß es nur: "Kein Kommentar." Auch von der Swisscom war bis dato keine Stellungnahme zu erhalten.

"Nicht geändert"

An dem, was das Kontrollgremium der ÖIAG in ihrer Sitzung vom 7. Mai beschlossen hat, "hat sich nichts geändert", erklärte Bauer. Sie betonte heute in diesem Zusammenhang, der Aufsichtsrat habe den ÖIAG-Vorstand ermächtigt, bis zum Jahresende ein 17-Prozent-Paket über eine Börsenplatzierung zu verkaufen.

Dies freilich würde die Swisscom nicht von vornherein von einem Einstieg ausschließen, zumal sie - wie es in den Medienberichten zu möglichen Szenarien geheißen hatte - ja nicht unmittelbar von der ÖIAG kaufen müsste. Die Staatsholding kann nämlich die 17 Prozent wie geplant platzieren. Wie bereits von ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch angekündigt, sollen die Aktien nicht direkt an institutionelle Investoren, sondern an Banken gehen. Letztere kaufen das Paket zu einem bestimmten Kurs und platzieren die Aktien selbst, dann schlägt die Swisscom zu. Dabei könnten JP Morgan und Merrill Lynch zum Zug kommen, die bereits im vergangenen Sommer die 5-prozentige Umtauschanleihe der ÖIAG auf TA-Aktien abgewickelt hatten.

Auch Direktkauf möglich

Als zweite mögliche Einstiegsvariante wurde kolportiert, dass die Swisscom direkt von der ÖIAG kauft. In einem weiteren Schritt dürfte die Swisscom dem Streubesitz von 52,8 Prozent ein Übernahmeangebot machen. Bei der ÖIAG verbliebe dann vorerst eine Sperrminorität von 25,2 Prozent an der TA (exklusive Umtauschanleihe).

Erst kürzlich - bei der Bilanzpräsentation im März und dann im Mai - hatte Swisscom-Boss Jens Alder sein Grundsatzinteresse an der TA erneuert. Für die Übernahme müsste Swisscom gemessen an den 15 Euro je Aktie insgesamt 3,54 Mrd. Euro locker machen. Vor einem Jahr hatte es bereits ernsthafte Verhandlungen mit den Schweizern gegeben, sie waren aber an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. Die Swisscom bot unter 12 Euro, während die ÖIAG und das Finanzministerium mindestens 13 Euro wollten. (APA)

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