3.000 Mal "GZSZ": Vom Sorgenkind zum Aushängeschild des Privat-TV

1. Juli 2004, 23:21
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Die Daily Soap gilt heute als gelungenes Experiment und fand viele Nachahmer - Gute Quoten auch in Österreich

Im März 1992 wagte sich RTL an ein zu dem Zeitpunkt einmaliges Experiment in Deutschland. Die Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten", später von den Fans kurz "GZSZ" genannt, ging werktäglich um 19.40 Uhr auf Sendung. Die ersten Einschaltquoten waren mies, und der Versuch schien zu misslingen. Aber langer Atem kann sich im Fernseh-Business lohnen: Ein RTL-Vorabend ohne "GZSZ" scheint heute, 3.000 Folgen nach dem Start, undenkbar. Auch in Österreich: Die Daily Soap gehört regelmäßig zu den hier zu Lande meist gesehenen RTL-Sendungen.

"Vater" der Soap: Helmut Thoma

"Vater" der Soap war der damalige RTL-Geschäftsführer Helmut Thoma. Seine Zähigkeit wurde belohnt, denn allmählich freundeten sich vor allem die für den Kölner Privatsender wichtigen jungen Zuschauer mit dem neuen Produkt an. Die Serie gewann Fans, später ganze Fanclubs, interessierte von Tag zu Tag immer mehr Zuschauer und bildet heute eine zentrale Achse im RTL-Programm.

An diesem Mittwoch feiert RTL die mittlerweile 3.000. Folge der Daily Soap, die dem australischen Vorbild "The Restless Years" nachempfunden wurde und sich hauptsächlich mit den Problemen, Nöten, Freuden und Lieben junger Leute, die allesamt nicht rauchen und trinken, kümmert. Längst gibt es genug Nachahmer: Die ARD fährt täglich "Marienhof" und "Verbotene Liebe" auf, RTL hat selbst mit "Unter uns" ein noch "jüngeres" Produkt nachgelegt. Schmerzlich vermisst wird eine Daily Soap derzeit von den Programmmachern im ORF - doch für so ein Projekt fehlen schlicht und einfach die Mittel. Derweil müssen die Fans mit der Wienerin Natalie Alison ("Isabel Eggert") als Österreich-Legionärin in der Soap ihr Auslangen finden.

Kein Platz mehr für tägliche Soap

In der Zwischenzeit haben in Deutschland ohnehin viele Programmverantwortliche schmerzhaft erfahren müssen, dass nicht mehr Platz für eine tägliche Soap im Programm ist. Sat.1 beendete "Die Wagenfelds" und "Geliebte Schwestern", RTL II machte vorzeitig Schluss mit "Alle zusammen". Das ZDF indes arbeitet derzeit jedoch wieder an einer neuen täglichen Serie im Stil einer südamerikanischen Telenovela - geplanter Start im Herbst. Als Partner an Bord ist der ORF. Das Projekt ist freilich grundsätzlich für ein älteres Publikum konzipiert und wird in Österreich wohl auf ORF 2 zu sehen sein.

Für RTL ist "GZSZ" eine feste Größe geworden - auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Die Serie ist billig zu produzieren und beschert dem Sender hohe Werbeumsätze. Auch der Merchandising-Markt funktioniert. T-Shirts und Kaffeetassen, Handtücher, Musik und auch Bücher sowie die Zeitschrift "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" generieren beachtliche Einnahmen, über deren Höhe Stillschweigen herrscht.

3.000 Folgen Soap bedeuten mittlerweile 163.375 Drehbuchseiten, 57.000 Szenen, 3.123 Schauspieler. In der Jubiläumsfolge bahnt sich eine Katastrophe an: Coras Freunde besteigen ein Flugzeug, um bei der Taufe von Coras Babys dabei zu sein. Der Flieger gerät aber in Schwierigkeiten, und die Passagiere sind plötzlich in größter Lebensgefahr. Für Spannung ist also weiter gesorgt - wenn es nach den Fans geht, wohl noch weitere 3.000 Folgen. (APA/dpa)

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