EMI und Warner sprechen wieder über Fusion

20. Juli 2004, 09:37
posten

Reaktion auf Berichte über EU-Entscheidung im Fall Sony/BMG

London - Nach Berichten über ein bevorstehendes Ja der EU-Kommission zur Fusion der Musikkonzerne Sony und Bertelsmann Music Group (BMG) wollen nun offenbar auch die Konkurrenten EMI und Warner Music wieder über einen Zusammenschluss verhandeln. Die Fusionsverhandlungen zwischen der britischen EMI-Gruppe und der vor gut einem halben Jahr von einem Konsortium um den Ex-Seagram-Chef Edgar Bronfman erworbenen Warner Music würden wieder aufgenommen, berichtete die britische Zeitung "The Times" (Montagausgabe) unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise. Es wäre bereits der dritte Anlauf beider Musikfirmen zu einer Fusion.

Verhandlungen "unvermeidlich"

Neue Verhandlungen zwischen EMI und Warner Music seien nach der Entscheidung Brüssels "unvermeidlich", zitierte das Blatt einen hohen Verantwortlichen eines der Unternehmen. Ende vergangener Woche war aus dem Umkreis der Kommission verlautet, es gebe "deutliche Signale", dass Brüssel für die geplante Fusion von Sony Music und BMG grünes Licht geben werde. Eine Sprecherin der Kommission hatte diese Meldungen am Freitag nicht dementiert, sondern lediglich an die Beteiligten und die Medien appelliert, die für diesen Dienstag erwartete Entscheidung Brüssels nicht vorwegzunehmen.

Die "Times" zitierte nun Warner Music nahe stehende Kreise mit der Aussage, wenn die EU-Kommission einverstanden sei, dass sich der Kreis der Giganten im Musikgeschäft von fünf auf vier reduziere, "dann ist es wahrscheinlich, dass sie auch den Schritt von vier zu drei akzeptieren wird". Bronfman hatte sich bereits am Freitag besorgt gezeigt, dass durch die neue Fusion auf dem Weltmarkt ein "Duopol" für Universal und Sony-BMG entstehen werde.

Erster Übernahmeversuch gescheitert

EMI war im November aus dem Rennen um die Musiksparte des US-Medienkonzerns Time Warner geworfen worden; das Konsortium um Bronfman zahlte rund 2,6 Mrd. Dollar (2,2 Mrd. Euro) für die Plattenfirmen und das Verlagsgeschäft von Warner Music. Den Ausschlag dafür, dass Bronfman den Zuschlag bekam, soll die Tatsache gegeben haben, dass der Kanadier drei Jahre zuvor aus dem Musikgeschäft ausgestiegen war und damit keine Kartelluntersuchungen fürchten musste. Dagegen war ein erster Übernahmeversuch von Warner Music durch EMI bereits am Veto der EU-Wettbewerbshüter gescheitert.

Die Top fünf der Branche - Universal, Sony, EMI, Warner Music und BMG - stehen für drei Viertel des weltweiten Musikgeschäfts, leiden aber seit Jahren unter einbrechenden CD-Verkäufen und zunehmender Musikpiraterie. Mit der Fusion von Sony, der Nummer zwei, mit der Nummer fünf BMG sollen Künstler wie Céline Dion und Aerosmith (Sony), Britney Spears und Avril Lavigne (BMG) unter einem Dach vereint werden. EMI hat unter anderem die Rolling Stones, Robbie Williams, Norah Jones und Kylie Minogue unter Vertrag, Warner Music vertreibt etwa die Platten von Eric Clapton und den Red Hot Chili Peppers. (APA)

Share if you care.