Gefährlicher Spung ins kühle Nass

29. Juni 2004, 11:18
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Jedes Jahr werden in Spitälern 1.400 Verletzte behandelt - Blessuren im Bereich der Halswirbelsäule können zu Querschnittslähmung führen - mit Infografik

Wien - Ein kurzer Anlauf, ein kräftiger Sprung, einige Augenblicke in der Luft und die Landung im kühlen Nass - das ist Wasserspaß pur, allerdings kein ungefährlicher: Für rund 1.400 Erholungssuchende endet er jedes Jahr mit einer Verletzung, so das Institut "Sicher Leben". Vor allem sind es Knochenbrüche (21 Prozent), Prellungen (19 Prozent) und Gehirnerschütterungen (18 Prozent), die in den Spitälern behandelt werden. Aber es kann noch schlimmer kommen: Blessuren im Bereich der Halswirbelsäule gehen nicht selten mit einer Querschnittslähmung einher.

85 Prozent der Sprung-Opfer sind männlich. Kinder unter 15 Jahren sind mit einem Anteil von 29 Prozent überdurchschnittlich betroffen. Wenn es nicht nur platscht, sondern auch kracht, dann erwischt es vor allem den Kopf (37 Prozent), gefolgt von den oberen (19 Prozent) und unteren Extremitäten (18 Prozent).

Querschnittslähmung

Große Höhe und flache Gewässer können zu einem Bruch der Wirbelsäule führen, weiß Manuela Warscher von "Sicher Leben". Wird auch das Rückenmark beschädigt, kann es zu der gefürchteten Querschnittslähmung kommen. Dabei treten von der Bruchstelle abwärts Lähmungserscheinungen auf.

Derart schwerwiegende Folgen lassen sich jedoch relativ leicht vermeiden - wenn einige grundlegende Regeln beachtet werden: Nicht ohne Abkühlung ins Wasser springen. Der plötzliche Kältereiz kann im schlimmsten Fall ein akutes Kreislaufversagen bewirken. Außerdem ziehen sich die Blutgefäße schnell zusammen, wodurch Gefäßablagerungen plötzlich gelöst werden, um an anderer Stelle zum Gefäßverschluss (Embolie) zu führen.

Wasser erkunden

Nur springen, wenn von vornherein klar ist, dass das Wasser tief genug und frei ist. "Ansonsten laufen Sie Gefahr, mit dem Kopf am Boden, an versteckten Felsen oder an vorstehenden Gegenständen anzustoßen", warnt die Expertin. In einem solchen Fall sei damit zu rechnen, dass die Halswirbelsäule überbogen und das Rückenmark von einzelnen Wirbeln gequetscht oder sogar durchtrennt wird.

Unangenehm wird es für beide, wenn Springer und Schwimmer kollidieren. Damit müssen vor allem jene rechnen, die von einem Brett oder einem Turm hüpfen, ohne sich darum zu kümmern, ob sich in der Eintauchzone eine andere Person aufhält. Wer so unverantwortlich handelt, kann im Fall einer Verletzung für den Schaden haftbar gemacht werden, sagte Warscher.

Faustregeln

Für die sichere bzw. unsichere Wassertiefe gibt es einige Faustregeln: Von einem bis 1,20 Meter können Köpfler oder Wasserbomben vom Beckenrand zu Schürfwunden oder Hirnerschütterungen führen. Die für Nichtschwimmerbecken höchstzulässige Tiefe von 1,40 Meter ist gefährlich, wenn Startblöcke benützt werden. Und vom Ein-Meter-Brett muss das Nass wenigstens 3,40 Meter tief sein, während bei Sprüngen vom zehn Meter Turm vergleichsweise bescheidene 4,50 Meter reichen.

Die Expertin empfiehlt eine ungefährliche Sprungtechnik: "Nehmen sie beim Kopfsprung vorwärts den Kopf zwischen die Arme und lassen Sie sich mit geradlinig gestrecktem Körper senkrecht ins Wasser fallen. Setzen Sie dabei Ihre Muskulatur in angemessene Spannung und lassen Sie sich widerstandslos nach unten treiben." Wer nach dem Eintauchen aus Angst, den Boden zu berühren, mit den Händen bremst, riskiert, die gefährliche Hohlkreuzhaltung einzunehmen. Kopfsprünge mit seitlich am Körper angelegten Armen lassen das Haupt völlig ungeschützt.(APA)

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    Ein kurzer Anlauf, ein kräftiger Sprung, einige Augenblicke in der Luft und die Landung im kühlen Nass - das ist Wasserspaß pur, allerdings kein ungefährlicher

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