Traiskirchen eröffnet das "Haus der Frauen"

8. Juli 2004, 21:04
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180 Asylwerberinnen finden derzeit auf dem Areal der Erstaufnahmestelle Zuflucht

Ein kleiner Lichtblick, ein Fünkchen Hoffnung und ein wenig Gefühl von Sicherheit – das wird Asylwerberinnen seit Dezember 2003 auf dem Areal der Erstaufnahmestelle Traiskirchen geschenkt. Da nahm das „Haus der Frauen“ seinen Betrieb auf: Von acht ausschließlich weiblichen Mitarbeitern betreut, ist es Anlaufstelle für in Österreich gestrandete, allein stehende oder allein erziehende Frauen und ihre Kinder. Jetzt, am 23. Juni, soll es offiziell und feierlich durch Innenminister Ernst Strasser eröffnet werden.

Finanziert und betrieben wird das Haus vom Innenministerium, geführt von der gemeinnützigen und überparteilichen Menschenrechtsorganisation "SOS-Menschenrechte", die schon lange eine derartige Einrichtung gefordert hatte. Bis vergangenes Jahr gab es in Traiskirchen nämlich keinerlei spezifische Betreuung für weibliche Asylwerber: Sie mussten sich sämtliche Einrichtungen mit Männern teilen, hatten keine speziellen AnsprechpartnerInnen, keinen Schutz und sogar Frauen mit Neugeborenen lebten mit bis zu zehn Männern in einem Großraum.

Rund um die Uhr geschützt

Das hat nun ein Ende, freut sich Klaus Neumann, SOS-Regionalleiter in Traiskirchen: „Im Haus der Frauen sind die weiblichen Flüchtlinge nun rund um die Uhr geschützt, werden von muttersprachlichen Betreuerinnen über österreichisches Recht beraten und mit den gesellschaftlichen Normen und Werten hier vertraut gemacht.“ Dazu kommen psychologische, medizinische, gesundheitliche, soziale und schulische Betreuung.

Die Schwerpunkte in der psychologischen Betreuung liegen im Haus der Frauen auf Anamnese und der Bearbeitung von traumatischen Erlebnissen vor und/oder während der Flucht, durch die Trennung von oder durch den Verlust des Ehemannes oder von posttraumatischen Stress-Syndromen. Großes Augenmerk wird außerdem auf den muslimischen Hintergrund vieler Asylwerberinnen gelegt, auf seine Einbettung in die Kultur und seine Interpretation hinsichtlich des Lebens der Frauen.

Zu wenig Platz

Seit Dezember 2003 konnten rund 400 Asylwerberinnen und deren Kinder in der neuen Einrichtung untergebracht werden. Derzeit wohnen hier 180 Frauen – konzipiert ist es allerdings nur für 100, sagt Neumann: „Es sind viele Einzelschicksale darunter, bei denen eine Ablehnung aus humanen Gründen unmöglich ist – wir brauchen also dringend eine finanzielle Aufstockung, um hier mehr tun zu können.“

Die meisten Asylwerberinnen in Traiskirchen kommen derzeit aus Tschetschenien, Georgien, Armenien und Schwarzafrika, da vor allem aus Nigeria. Ihr Aufenthalt im Haus der Frauen ist unbefristet möglich, die meisten bleiben mehrere Monate. Viele wollen weiter in andere europäische Länder, zu ihren Männern oder Familien, dürfen aber nicht weiterreisen. Hier zu intervenieren sei extrem schwierig, weiß Neumann.

Noch mehr tun

Viel hat sich also getan, um den weiblichen Asylwerbern nach teils unbeschreiblichen Erlebnissen in der Heimat oder auf der Flucht einen menschlicheren (Zwischen-)Aufenthalt zu ermöglichen. „Besonders in der Erstberatung und in der Krisenintervention wollen wir aber noch viel verbessern“, sagt Regionalleiter Neumann. „Die Frauen sollen eine möglichst realistische Vorstellungen von dem bekommen, was sie hier erwartet, vernünftig informiert und psychologisch ideal betreut werden.“ (isa)

  • Das "Haus der Frauen" auf dem Areal der Erstaufnahmestelle Traiskirchen
    foto: sos-menschenrechte
    Das "Haus der Frauen" auf dem Areal der Erstaufnahmestelle Traiskirchen
  • Derzeit sind hier 180 Frauen untergebracht.
    foto: sos-menschenrechte
    Derzeit sind hier 180 Frauen untergebracht.
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