Deutsche Bahn will an die Börse

1. Juli 2004, 10:57
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Vorstand gegen des Teufels liebstes Möbelstück, die lange Bank

Berlin - Ungeachtet des Gegenwinds aus Politik und Konjunktur bleibt die Führungsspitze der Deutschen Bahn AG bei ihrem Ziel, das Unternehmen 2005 kapitalmarktfähig zu machen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn und sein Finanzvorstand Diethelm Sack begrüßten am Wochenende in Berlin den Beschluss des Bundestages zum Börsengang des Unternehmens als "positiven Einstieg" in das Thema. Die Bahn wolle für 2004 und 2005 "Gewinne testiert vorlegen", versicherte Mehdorn. Der Bundestag hatte am Donnerstagabend beschlossen, eine Grundsatzentscheidung über den Börsengang "erst dann zu treffen, wenn der nachhaltige wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens DB AG, insbesondere eine mehrjährige positive Gewinnentwicklung, feststeht".

Sack verwies darauf, dass die Bahn seit der Bahnreform 1994 jährlich eine Ergebnisverbesserung um durchschnittlich 500 Millionen Euro vorgelegt habe. Sie kam damit 2003 erstmals aus den roten Zahlen und will 2004 ein Plus von einer Milliarde Euro erwirtschaften. Mit dem für 2005 geplanten Ergebnis von 1,8 Milliarden läge sie erstmals knapp über der Schwelle von 1,7 Milliarden die als kritisch für die Kapitalmarktfähigkeit angesehen wird.

"Ambitioniertes Ziel"

Als letzter Zeitpunkt für eine positive Entscheidung über den Börsengang noch in dieser Legislaturperiode wird allgemein Dezember 2005 angesehen. Mehdorn wehrte sich gegen Angriffe, er wolle den Plan trotz der Bemerkungen der Investitionsbanker von Morgan Stanley durchziehen, der Börsengang sei ein sehr ambitioniertes Ziel. Die Kritiker "sollten sich doch freuen, dass wir trotzdem sagen: Wir sind bis 2005 fit", meinte er.

Beide Vorstandsmitglieder beharrten darauf, die Bahn müsse als integrierter Konzern, also ohne Trennung von Netz und Betrieb, an die Börse gehen. Der Bundestag hatte die Bundesregierung in seinem Beschluss auch aufgefordert, die verschiedenen Privatisierungsmodelle "ergebnisoffen" zu prüfen.

Mehdorn sagte, er habe nichts gegen weitere Prüfungen, und die Bahn werde alle Hilfe dazu geben. Er warnte aber davor, mit solchen Beschlüssen und Aufträgen "des Teufels liebstes Möbelstück zu zimmern, nämlich die lange Bank". (AP, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.06.2004)

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