Mocky: "Are + Be"

4. Oktober 2005, 12:51
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Nach dem Überraschungs­erfolg von "Sweet Music" rappt sich der Wahlberliner Richtung Professionalität

Glich Mockys erstes Album "In Mesopotamia" über weite Strecken einem chaotischen Wirbel aus Samples und Sounds, aus dem sich immer wieder mal überraschend gefällige Melodien herausschälten, kommt das Nachfolgewerk "Are + Be" deutlich zentrierter daher.

Mit ein Grund dafür dürfte der überraschende Erfolg der mesopotamischen Auskoppelung "Sweet Music" (als Bonus auf "Are + Be" gleich noch einmal enthalten) sein, das über Modeschauen und Radioeinsätze zum Hit wurde. Die Plattenfirmen leckten Blut und rissen sich darum, den Zweitling Mockys - zuvor beim Münchner Underground-Label Gomma beheimatet - herausbringen zu dürfen. Fine Records als neues Tochter-Label von Four Music machte schließlich das Rennen.

"Even in my darkest days I'm still an optimist"

Derart mit neuer Infrastruktur ausgestattet, stellte Mocky ein Album zusammen, das sich in für seine Verhältnisse ziemlich disziplinierter Weise auf - siehe Titel - R'n'B und dessen Geschwister HipHop und Elektro beschränkt; letzteres z.B. im alle Verschwörungstheorien der Welt zusammen fassenden "Seeing Things". In "Ready to go" versucht er sogar mal zu singen, aber rappen liegt ihm dann doch deutlich besser.

Gaststimmen wie die von Leslie Feist, Ad Hawk oder Super_Collider-Hälfte Jamie Lidell fetten die vokale Palette auf. Ebenfalls vertreten: Taylor Savvy, der Entertainer an der Schnittstelle von House und Pop - genauso wie Mocky aus der kanadischen Künstlerkolonie, die sich in Berlin niedergelassen hat, stammend. Es wird daher auch niemanden überraschen, dass Mocky immer wieder auch mit weiteren Landsleuten wie Gonzales und Peaches zusammen arbeitet.

"Apparently you laugh at me but I swear you just don't see the irony"

Überraschender ist da schon, dass Mocky auf "Are + Be" zugunsten einer durchgehend melodiösen und relativ trockenen Produktion weitestgehend auf Spielereien verzichtet hat. Immerhin ist der Mann schon durch Europa getourt, indem er Konzerte in den Affenkäfigen zoologischer Gärten gab. Allerdings bildete das Geäffe ja auch ein wenig das Leitmotiv der Vorgänger-CD, während dieses Mal etwas mehr Ernsthaftigkeit Programm war. Noch einmal zum Album-Titel: dessen Schreibweise kommt natürlich auch nicht von ungefähr, sondern bezieht sich auf die weitgehend persönlichen und existenziell gehaltenen Songtexte. Sprachspielereien sucht man ebenso wie skurrile Samples diesmal meist vergeblich.

Mit einer Ausnahme: dem als Vinyl-Only-Single ausgekoppelten "Mickey Mouse Muthaf****s", in dem Spielzeug-Synthie-Piepser einen Dada-Rap à la "i mickey mouse muthafackas / i kinski klaus muthafackas / i read ya faust muthafackas / i marcel proust muthafackas" bezwitschern. Eine letzte(?) Brücke zu "In Mesopotamia", denn ganz kann Mocky sein kindliches Gemüt denn doch nicht unterdrücken. Auch wenn er mit "Are + Be" eindeutig den Weg Richtung Professionalität einschlägt: ein wenig schade für die einen - doch für die anderen wird's jetzt erst so richtig interessant.
(Josefson)

Mocky: "Are + Be" (Fine/Four Music 2004)

Mocky Recordings
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    coverfoto: fine/four music
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