Britische Telekom trennt sich von roten Telefonkabinen

4. Juli 2004, 18:36
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Die berühmten "red boxes" sterben aus - Nostalgiker zahlen mehr als 12.000 Euro für begehrte Sammelstücke

Zum Stadtbild von London gehören sie wie die Doppeldeckerbusse im Verkehrsgewimmel am Trafalgar Square oder der Gongschlag von Big Ben: die roten Telefonkabinen. Doch die berühmten "red boxes" sind vom Aussterben bedroht. Schon jetzt gibt es von den einstmals über 60.000 Kabinen nur noch 15.000 Exemplare im ganzen Land. Und die British Telecom (BT) will weitere Telefonzellen ausmustern.

Sammelstücke

Während die unverwüstlichen Metallhäuschen allmählich aus dem Stadtbild verschwinden, sind sie bei Nostalgikern längst zum begehrten Sammelstück avanciert. Mehr als 12.000 Euro blättern manche für einen restaurierten Klassiker hin, um ihn sich zur Zierde in den Garten zu stellen.

Handys

Die fast 750 Kilogramm wiegenden Kabinen seien zwar hübsch, räumt BT-Sprecher Les King ein. Doch für Kinder, Behinderte und Alte seien die schweren Türen kaum zu öffnen, begründet er den Abschied von den unverwüstlichen Zellen. Zudem fehle den "red boxes" im Gegensatz zu neueren Modellen ein gutes Belüftungssystem. Doch die wahren Gründe für das "Zellen-Sterben" sind viel prosaischer, nämlicher wirtschaftlicher Natur. Mittlerweile besitzen mehr als vier Fünftel der Briten ein Handy. In den vergangenen drei Jahren sind die mit öffentlichen Fernsprechern erzielten Einnahmen um 40 Prozent eingebrochen, die Anzahl der von dort getätigten Anrufe gingen im gleichen Zeitraum sogar um die Hälfte zurück.

Viele Weiterentwicklungen

Schlechte Zeiten also für die roten Häuschen, die 1926 von dem Architekten Giles Gilbert Scott konstruiert wurden. Bereits Anfang der dreißiger Jahre wurde der Urtyp "K2" durch wahre Alleskönner ersetzt, die mit einem Briefkasten und zwei Automaten zum Briefmarkenverkauf ausgestattet waren. Zum Thronjubiläum von König George V. folgte 1936 dann die "K6", jenes Modell, das weltweit Kultstatus erlangte. Die letzte Weiterentwicklung in der Reihe war die "K8" im Jahr 1968.

Liebhaber

Doch auch wenn die Kabinen zunehmend aus den Straßen verschwinden: An anderer Stelle tauchen sie wieder auf. So können Liebhaber im Internet unter der Adresse britishbits.co.uk den wieder auf Hochglanz gebrachten K-6-Klassiker - allerdings ohne den Telefonapparat - erwerben: Umgerechnet mehr als 6.000 Euro kostet das begehrte Objekt. Noch tiefer in die Tasche greifen muss, wer eine alte "K2" sein eigen nennen will: die kostet stolze 8.500 Pfund (mehr als 12.000 Euro).

Sammlerboom

Von dem Sammlerboom profitiert unter anderem die Firma Unicorn Kiosk Restorations. Der Betrieb in Mertham im südenglischen Sussex hat sich auf die Instandsetzung von ausgemusterten Telefonhäuschen spezialisiert. In der Werkstätte landen vor allem Exemplare vom Typ "K6". Aber auch andere Modelle werden mit viel Liebe zum Detail wieder aufgemöbelt und zum Schluss mit der Original-Farbe versehen: "Postamtrot" etwa für die Modelle "K2" bis "K7", "Mohnblütenrot" für die "K8".

Zierde

Manche der zunehmend begehrten Schmuckstücke wandern nach der Restaurierung an die absonderlichsten Orte. "Wir haben schon eine Telefonhäuschen in einem NATO-Bunker wieder aufgebaut", berichtet ein Sprecher von Unicorn. Die meisten Zellen würden jedoch zur Zierde in Gärten aufgestellt. Zu den prominenten Kunden gehören unter anderem Frankreichs Fußballidol Marcel Desailly oder der britische Popsänger Cliff Richard.(Apa/Olivier Lucazeau)

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