El Kaida bestätigt Tötung von Anführer Mukrin

21. Juli 2004, 14:42
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Riad sagt Terroristen nach Ermordung von US-Geisel den Kampf an - Weltweites Entsetzen über Enthauptung Johnsons - Iran verurteilt die Tat

Riad - Die saudiarabischen Sicherheitskräfte haben bei der Fahndung nach den Mördern des enthaupteten US-Bürgers Paul Johnson den regionalen El-Kaida-Führer getötet. Beobachter sprachen von einem wichtigen Erfolg im Kampf den Terrorismus, sie bezweifelten aber am Wochenende, dass die Anschläge auf westliche Ausländer aufhören werden. Die El-Kaida-Gruppe in Saudiarabien bestätigte unterdessen den Tod ihres Anführers Abdulaziz el Mukrin und kündigte an, ihren Dschihad (Heiligen Krieg) fortzusetzen.

Die Sicherheitskräfte spürten die mutmaßlichen Täter noch am Freitagabend auf, wenige Stunden nachdem die El-Kaida-Gruppe Bilder vom Tod Johnsons im Internet veröffentlicht hatte. In einem mehrstündigen Feuergefecht wurden der 31-jährige El Mukrin und drei weitere mutmaßliche Terroristen getötet. Einer soll sein Stellvertreter gewesen sein. Nach offiziellen Angaben wurden auch ein Polizist getötet sowie zwei weitere verwundet. Bei Razzien in der Nacht zum Samstag wurden zudem zwölf mutmaßliche militante Islamisten festgenommen, wie das Innenministerium mitteilte. Die Sicherheitskräfte riegelten auch in der Nacht zum Sonntag wieder drei Stadtviertel in Riad ab und durchsuchten sie. Gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber waren im Einsatz.

El Mukrin meistgesuchte Terrorist Saudiarabiens

Die von den Sicherheitskräften gestellte El-Kaida-Gruppe um El Mukrin soll nicht nur für die Entführung und Ermordung Johnsons, sondern auch für zahlreiche weitere Anschläge verantwortlich gewesen sein. El Mukrin war der meistgesuchte Terrorist Saudiarabiens. Er galt als intelligenter und brutaler Taktiker, der sowohl Autobombenanschläge als auch gezielte Angriffe auf einzelne Ausländer plante. Er wurde dem Vernehmen nach in Afghanistan ausgebildet und kämpfte in Bosnien und Algerien.

Johnsons Leiche wird noch vermisst

Johnsons Leiche wurde entgegen früheren Angaben bis zum Sonntag doch noch nicht gefunden. Die Extremisten hatten in der vergangenen Woche mit der Ermordung des Amerikaners gedroht, falls nicht alle El-Kaida-Häftlinge in Saudiarabien bis Freitagabend freigelassen würden. In einer Erklärung der Gruppe hieß es, nach Ablauf der Frist habe "der Ungläubige seine gerechte Strafe erhalten". Die Kidnapper hatten erklärt, Johnson sei entführt worden, weil sein Arbeitgeber, der US-amerikanische Rüstungskonzern Lockheed Martin, den Apache-Hubschrauber entwickle, mit dem Muslime in Palästina und Afghanistan angegriffen würden.

Die Ermordung Johnsons wurde weltweit verurteilt. US-Präsident George W. Bush erklärte, die Tat zeige, welch "teuflischer Natur" der Feind sei. Es werde den Terroristen aber nicht gelingen, Amerika einzuschüchtern. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer sprach von einem "barbarischen Akt, der durch nichts zu rechtfertigen" sei. Auch der britische Premierminister Tony Blair sprach von einem "Akt der Barbarei", der französische Staatspräsident Jacques Chirac zeigte sich entsetzt über die Tat, die allem entgegengesetzt sei, "was wir als menschlich erachten".

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, der brutale Akt gereiche niemandem zum Vorteil. Auch die Regierung im an Saudiarabien angrenzenden Jordanien sprach von einer "abscheulichen Tat".

Iran verurteilt die Tat

Die iranische Regierung verurteilte die Hinrichtung ebenfalls als "unmenschlich". Das Außenministerium in Teheran machte aber zugleich die "verfehlte" US-Außenpolitik im Kampf gegen den Terrorismus für den gewaltsamen Tod des 49-Jährigen verantwortlich. "Es handelt sich um einen unmenschlichen Akt, aber es darf nicht vergessen werden, dass die Gewalt und der Hass" gegen die USA auf deren Politik im Kampf gegen den Terrorismus zurückzuführen sei, betonte ein Ministeriumssprecher am Sonntag. Die USA hätten den Terrorismus "nicht vermindert, sondern verschlimmert."

Unterdessen forderte US-Außenminister Colin Powell rund 35.000 US-Bürger in Saudiarabien auf, sich nicht dem Terror zu beugen. Es wäre ein Sieg für die Terroristen, wenn die US-Bürger das Land verließen. Die US-Regierung macht sich auch Sorgen um die Stabilität der saudiarabischen Monarchie, die das Land mit den größten Ölreserven der Welt beherrscht. (APA/AP/AFP)

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    Die El Kaida bestätigte den Tod von Abdulaziz al Mukrin, ihres Anführers in Saudiarabien.

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