Frankreich warnt Großbritannien vor Ricin-Anschlag

21. Juni 2004, 13:36
posten

Sicherheitspläne zur Abriegelung von britischem Parlament - Laut "Observer" aus Furcht vor Anschlägen in Londoner Innenstadt

London - Die französische Polizei hat einem Zeitungsbericht zufolge davor gewarnt, dass Moslem-Extremisten größere Mengen des tödlichen Gifts Ricin nach Großbritannien geschafft haben könnten. Wie der "Observer" am Sonntag berichtete, seien bereits kleine Mengen des Gifts in Großbritannien aufgetaucht.

Französische Ermittler hätten vergeblich versucht, Dutzende kleine Gefäße mit Ricin aufzuspüren, das vermutlich von dem Extremisten Menad Benchellali in einem behelfsmäßigen Labor in Lyon hergestellt worden sei, hieß es in dem Bericht. Das Ricin sei vermutlich in Tiegel für Gesichtscreme abgefüllt worden.

Benchellali war bereits vor eineinhalb Jahren verhaftet worden. Ihm und acht anderen Verdächtigen wird vorgeworfen, chemische Waffen für Anschläge auf russische Ziele in Frankreich präpariert zu haben. Französischen Ermittlern zufolge ist Benchellali in einem Extremisten -Lager in der georgischen Pankisi-Schlucht ausgebildet worden. Die Pankisi-Schlucht galt als Rückzugsgebiet tschetschenischer Rebellen, die in der benachbarten russischen Republik Tschetschenien für Unabhängigkeit kämpfen.

Die britische Polizei bestätigte den Zeitungsbericht zunächst nicht. Gegen Ricin - ein äußerst giftiges Protein aus dem Samen der Rizinuspflanze - gibt es kein Gegenmittel. Wird es inhaliert, injiziert oder gegessen, kann es innerhalb von Stunden den Tod hervorrufen.

Sicherheitspläne zur Abriegelung von britischem Parlament

Der britische Geheimdienst und die Polizei prüfen einem Zeitungsbericht zufolge Pläne zur Abriegelung eines Teils des Londoner Zentrums, um Terroranschläge zu verhindern.

Aus Furcht, dass Regierungsgebäude oder touristische Attraktionen im Zentrum ins Visier von Attentätern geraten könnten, sollten den Plänen zufolge etwa zentrale Straßen gesperrt werden, berichtete die Zeitung "Observer" am Sonntag. Es sei auch vorgesehen, die historische Parlamentskammer im britischen Unterhaus mit bombensicherem Trennwänden abzuschirmen.

Innenministerium: "Sicherheit auf dem Prüfstand"

Ein Sprecher des britischen Innenministeriums lehnte einen direkten Kommentar zu dem Zeitungsbericht ab und sagte lediglich, die Sicherheit stehe ständig auf dem Prüfstand. "Daher erwägen wir verschiedene Optionen", fügte er hinzu.

Die Zeitung berichtete weiter, die geplanten Schritte würden weit reichender sein als die Sicherheitsmaßnahmen, die im Londoner Finanzdistrikt auf dem Höhepunkt der Bombenkampagne der Untergrundorganisation Irisch Republikanische Armee (IRA) ergriffen wurden. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Aus Angst vor Terroranschlägen sollen in London nun zentrale Straßen gesperrt werden.

Share if you care.