Vorstand: Mercedes-Benz plant keinen Stellenabbau

1. Juli 2004, 10:57
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DaimlerChrysler-Manager Cordes gilt als Favorit für Chefsessel bei Mercedes

Frankfurt - Die Nobelmarke Mercedes des Autokonzerns DaimlerChrysler plant entgegen anders lautender Medienberichte derzeit keinen Stellenabbau und will nach Worten von Personalvorstand Günther Fleig ihren Personalbestand eher aufstocken. "Die Beschäftigungslage bei Mercedes-Benz in Deutschland ist mindestens bis 2005 stabil. Momentan stellen wir in Rastatt und einigen Nutzfahrzeug-Werken sogar Leute ein," sagte Fleig in einem am Samstag im voraus veröffentlichten Interview der Branchenzeitung "Automobilwoche".

Vergangene Woche war aus einer angeblich von Mercedes in Auftrag gegebenen Studie der Unternehmensberatung McKinsey in Medien zitiert worden. Demnach könnten die Stuttgarter auf rund zehn Prozent der 104.000 Stellen weltweit verzichten. McKinsey habe keine derartige Studie für Mercedes erstellt, helfe dem Konzern jedoch bei der permanenten Suche nach Optimierungspotenzialen, sagte Fleig.

Auftragslage

Der Produktionsanlauf der neuen A-Klasse im Werk Rastatt hat laut Fleig den Personalbedarf um "einige hundert" Beschäftigte erhöht. Auch die "hervorragende" Auftragslage im Nutzfahrzeug-Geschäft mache trotz Produktivitätssteigerungen in den Werken Wörth und Mannheim einen Personalaufbau notwendig. In keinem deutschen Werk werde derzeit an eine Verkleinerung der Belegschaft gedacht, sagte Fleig.

Ein Sprecher von DaimlerChrysler hatte am vergangenen Wochenende keinen Kommentar zu dem McKinsey-Papier abgegeben. "Die Mercedes Car Group arbeitet ständig daran, ihre Effizienz zu verbessern, um ihre Spitzenposition im Luxus-Pkw-Geschäft zu behaupten", hatte er nur gesagt. Im Mai waren die Verkaufszahlen von Mercedes weltweit um 9,2 Prozent eingebrochen. Bis zum Jahresende will Mercedes den Rückstand aber noch aufholen.

Nachfolger von Hubbert

Die Studie über den Personalüberhang war rund zwei Monate nach der Entscheidung von DaimlerChrysler an die Öffentlichkeit gelangt, Wolfgang Bernhard nicht zum Nachfolger von Mercedes-Pkw-Chef Jürgen Hubbert zu machen. Berharnd, bislang "zweiter Mann" hinter Dieter Zetsche bei Chrysler, war nach Differenzen mit Hubbert und dem Betriebsrat nur drei Tage vor seinem geplanten Amtsantritt als Mercedes-Chef vom Aufsichtsrat zurückgezogen worden. Ihm war hausintern vorgeworfen worden, zu rabiate strategische Änderungen bei Mercedes geplant zu haben und dabei zu forsch aufgetreten zu sein. Bernhard galt bei Chrysler als energischer Kostensenker.

Cordes Favorit für Chefsessel

Der DaimlerChrysler-Manager Eckhard Cordes ist nach einem Bericht des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" Favorit für den Chefposten bei Mercedes-Benz. Cordes habe die Nutzfahrzeugsparte erfolgreich saniert und sei einer der wenigen Manager, denen Konzernchef Jürgen Schrempp im Vorstand noch vertraue, berichtet der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe. Im Konflikt um Mitsubishi habe sich Cordes auf Schrempps Seite geschlagen.

Forschungschef Thomas Weber, über den vergangene Woche als Nachfolger von Mercedes-Vorstandschef Jürgen Hubbert spekuliert worden war, könne die Marke nicht ausreichend repräsentieren, schreibt der "Spiegel" unter Berufung auf Vertraute von Konzernchef Schrempp. Gegen Smart-Chef Andreas Renschler habe der Betriebsrat Bedenken. Chrysler-Chef Dieter Zetsche werde von Schrempp verdächtigt, den Aufstand der Vorstände gegen ein weiteres Engagement bei Mitsubishi angestachelt zu haben. (APA/dpa)

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