Preissenkung der deutschen Postbank-Aktie umstritten

1. Juli 2004, 13:40
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Zumwinkel verteidigt Maßnahme - Börsengang um zwei Tage auf Mittwoch verschoben

Frankfurt/Main - Der deutsche Post-Chef Klaus Zumwinkel hat die Entscheidung zur Senkung der Preispanne der Postbank-Aktien verteidigt. "Der Markt hat Recht, und es gibt keine andere Instanz, die ein zuverlässigeres Urteil zulässt", sagte Zumwinkel am Sonntag bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in Frankfurt am Main, nachdem der Börsengang um zwei Tage auf Mittwoch verschoben worden war. Zahlreiche Großinvestoren wie Fondsgesellschaften hatten zuvor tagelang öffentlich den Preis als zu hoch kritisiert und sich geweigert, die Aktien zu kaufen.

Daraufhin hatte die Deutsche Post am Samstag eingelenkt und die Preisspanne für die Postbank-Aktie von bisher 31,50 bis 36,50 Euro deutlich auf 28 bis 32 Euro gesenkt. Um allen Interessenten die Chance zu geben, danach ihre Aufträge noch abzugeben, wurde der Börsengang verschoben.

Zumwinkel und der Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann zeigten sich angesichts der niedrigeren Preisspanne zuversichtlich, alle Aktien reibungslos am Markt platzieren zu können. Aufgrund des massiven Widerstandes der Investoren hatten die Konsortialbanken zuvor ein so genanntes Schattenbuch angelegt, in dem auch Aufträge unterhalb der alten Preisspanne aufgenommen wurden. Dieses Schattenbuch sei so voll, dass "wir da klar durchs Ziel kommen", sagte Zumwinkel.

Nur zwei Drittel der vorgesehenen Anzahl werden angeboten

Statt der bisher vorgesehenen Anzahl will die Post nur noch zwei Drittel der 82 Millionen Aktien für den neuen Preis anbieten. Dies entspreche einem Erlös zwischen 1,53 und 1,74 Milliarden Euro, sagte Zumwinkel. Auf das verbleibende Drittel will die Post eine Anleihe ausgeben, die nach Ablauf von drei Jahren in Aktien der Postbank getauscht werden soll. Damit will der gelbe Konzern rund eine Milliarde Euro einnehmen und so doch noch auf den erhofften Mindesterlös von 2,6 Milliarden Euro kommen.

Eichel verteidigt Postbank-Strategie

Kritikern der Postbank-Strategie trat indirekt auch der deutsche Finanzminister Hans Eichel entgegen: Er lehnte eine Stellungnahme zur Preissenkung beim Börsengang ab und wollte sich nicht zu einer möglichen Einflussnahme des Bundes als größtem Post-Aktionär äußern. "Das ist nicht mein Thema. Das entscheidet das Unternehmen selber", sagte Eichel (SPD) am Sonntag in München am Rande eines Juso-Bundeskongresses. Der Bund ist Großaktionär der Deutschen Post.

Zustimmung für die Preissenkung kam zudem von den deutschen Aktionärsschützern, die von einer "vernünftigen Lösung" sprachen. Das sagte der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz, am Sonntag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Bonn. Sie hätte allerdings schon früher erfolgen können, nachdem sich bereits vor Ende der Zeichnungsfrist abgezeichnet habe, dass die Nachfrage nach dem Aktienangebot zu gering ausfallen würde.

"Mit den geänderten Bedingungen wird die Börseneinführung der Postbank nun höchstwahrscheinlich glatt über die Bühne gehen", sagte Kurz. Zumwinkel habe sich in der Einschätzung der Nachfrage "verschätzt" und sehr auf seinen hohen Preisvorstellungen beharrt. "Er hat jetzt lernen müssen, dass nicht er bestimmen kann, sondern der Markt und die Nachfrage entscheiden."

Für Kleinanleger sei bedauerlich, dass die Zeichnungsfrist nur bis Mittwoch verlängert worden sei, sagte Kurz. Sie könnten die Aktie nun aber zu einem günstigeren Preis erwerben. "Langfristig ist die Postbank kein schlechtes Unternehmen." (APA/AFP/Reuters/dpa)

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