Entscheidung über Kommissionspräsidenten verschoben

20. Juni 2004, 22:20
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Patten, Verhofstadt und Junker lehnen Kandidatur ab - Ahern will Prodi-Nachfolge bis Ende Juni lösen - Nach Verfassungseinigung habe er die zweite Abstimmung "vergessen"

Brüssel - EU-Außenkommissar Chris Patten ist aus dem Rennen um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ausgestiegen. Pattens Sprecherin Emma Udwin bestätigte am Samstag in Brüssel eine entsprechende Äußerung des amtierenden EU-Ratspräsidenten, Irlands Regierungschef Bertie Ahern.

Der konservative britische Politiker war von der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP), der stärksten im Europäischen Parlament, vorgeschlagen worden. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich am Freitag auf ihrem Gipfel in Brüssel nicht auf einen Kandidaten einigen können. Auch der belgische Ministerpräsident, der Liberale Guy Verhofstadt, zog seine Bewerbung zurück.

Juncker will Regierungschef bleiben

Und auch der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hat seine Kandidatur für den Posten erneut abgelehnt. Er sei nach den luxemburgischen Parlamentswahlen vom Sonntag mit der Bildung einer Regierung beauftragt worden, sagte Juncker am späten Freitagabend in Brüssel. "Ich möchte diese Aufgabe fortsetzen und Regierungschef bleiben." Der 49-Jährige war der Wunschkandidat vieler europäischer Regierungen für das Amt des Kommissionspräsidenten, hatte in den vergangenen Tagen aber immer wieder betont, er stehe dafür nicht zur Verfügung.

Frist

Der irische EU-Ratsvorsitzende Bertie Ahern will die umstrittene Frage der Nachbesetzung von EU-Kommissionspräsident Romano Prodi bis Ende Juni lösen. "Ich will es gerne noch unter irischem Vorsitz abschließen", sagte er am Freitag nach Abschluss des EU-Gipfels. Zu Namen möglicher Bewerber wollte er sich nicht äußern. Irland hat den EU-Vorsitz bis Ende Juni inne.

Die beiden halb-offiziellen Kandidaten, der belgische Ministerpräsident Guy Verhofstadt und der britische EU-Außenkommissar Chris Patten, haben ihre Kandidatur zurückgezogen. Er habe keinen Vorschlag mehr zur Abstimmung eingebracht, sagte Ahern. Nach dem erfolgreichen Beschluss der EU-Verfassung habe er "es gar nicht versucht. Ich habe es vergessen. (Außenminister) Brian Cowen hat mich beim Heruntergehen erinnert", sagte er. (APA/dpa)

  • Nachfolger gesucht: EU-Kommissionspräsident Romano Prodi.

    Nachfolger gesucht: EU-Kommissionspräsident Romano Prodi.

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