Deutscher Postbank-Börsegang später

20. Oktober 2006, 10:54
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Berichten Finanzkreise - Deutsche Post schweigt, Finanzministerium: "Kein Kommentar" - Spekulation über Wandelanleihe

Düsseldorf - Die Deutsche Post wird die von Investoren als zu hoch kritisierte Preisspanne für den Börsengang ihrer Tochter Postbank nach übereinstimmenden Angaben aus Finanzkreisen nun doch senken.

Und die deutsche Postbank werde am Montag nicht wie geplant an die Börse gehen, hieß es am Freitagabend in den Kreisen.

Vielmehr wolle die Deutsche Post die Aktien mit einer deutlich niedrigeren Preisspanne von 28 bis 32 Euro statt wie bisher 31,50 bis 36,50 Euro anbieten, berichteten mehrere Quellen am Abend unabhängig voneinander. Das Modell für die Absenkung der Preisspanne stehe und werde "umgesetzt", heißt es in diesen Kreisen.

Zudem solle eine Wandelanleihe mit einem Volumen von einer Milliarde Euro an den Markt gebracht werden, damit die Post doch noch die angestrebten 2,6 Mrd. Euro erhalten könne. Die Finanzkreise bestätigten damit einen Vorabbericht der Zeitung "Die Welt". Bisher gab es keine offiziellen Bestätigungen dafür. Es wurde bisher aber auch nicht offiziell dementiert.

Die Deutsche Post habe offenbar dem Druck der Investoren nachgegeben und werde den Börsengang ihrer Tochter nicht wie vorgesehen durchziehen, berichtete die deutsche Tageszeitung "Die Welt" am Freitagabend auf ihrer Website unter Berufung auf Bankenkreise. Danach wolle die Post ersten Planungen zufolge ab Montag eine neue Zeichnungsfrist mit einer deutlichen Senkung der Preisspanne starten.

Bei der Deutschen Post war zunächst keine Stellungnahme zu den Angaben aus Finanzkreisen zu erhalten. Ein Post-Sprecher hatte zuvor den Bericht der "Welt" nicht kommentieren wollen und darauf verwiesen, dass die Gremien der Post erst ab Samstag tagen wollten. Ein Sprecher des Finanzministeriums wollte am Abend keinen Kommentar dazu abgeben.

Die Zeichnungsfrist mit der alten Preisspanne für die Postbank-Aktien war am heutigen Freitag um 18.00 Uhr abgelaufen. Ein Sprecher der Post hatte in den vergangenen Tagen immer wieder unterstrichen, dass es eine Absenkung der Preisspanne nicht geben werde. Auch ein Sprecher des deutschen Finanzministeriums hatte noch zu Mittag in Berlin gesagt, der Bund als größter Post-Aktionär habe keine Hinweise auf Veränderungen der Modalitäten des Börsengangs (IPO). Zudem hatte es geheißen, eine weitere Alternative sei eine Absage des Börsengangs der Postbank. Die Post hatte dies in der Vergangenheit indes nur als theoretische Möglichkeit bezeichnet.

In Bankenkreisen hatte es bereits vor dem Ende der Zeichnungsfrist geheißen, dass es erste Signale gebe, denen zufolge die Post die Preisspanne doch noch absenken könne. Denkbar sei etwa eine Verlängerung der Zeichnungsfrist, hatte es geheißen. Die Preisspanne war von Investoren mehrfach als zu hoch kritisiert worden.

Am Aktienmarkt war am Freitag fieberhaft diskutiert worden, ob der größte Börsengang in Deutschland seit rund vier Jahren in letzter Minute wegen schleppender Nachfrage doch noch abgesagt oder die Preisspanne gesenkt werden könnte. Im vorbörslichen Handel kosteten die Papiere der mit 11,5 Millionen Kunden größten deutschen Filialbank 31,50 Euro und notierten damit erneut am unteren Ende der bisherigen Preisspanne.

Die Post wollte bis zu 49,9 Prozent der Postbank-Anteile oder nahezu 82 Mio Aktien an die Börse bringen. Bei einem Ausgabepreis von 31,50 Euro hätte die Post rund 2,6 Milliarden Euro erlöst. Durch eine Absenkung der Preisspanne kann der Konzern diese Summe nicht einstreichen. Dies könnte mit einer Wandelanleihe aufgefangen werden.

Während der deutsche Post-Chef Klaus Zumwinkel die Angebotsspanne stets als angemessen verteidigt hatte, hatten ihn die Banken Finanzkreisen zufolge bereits seit einiger Zeit auf einen niedrigeren Preis gedrängt, um die Bücher doch noch zu füllen. Unter 30 Euro je Aktie bestünde ausreichend Interesse institutioneller Investoren, hatte ein Banker gesagt.

Die Post wollte sich Finanzkreisen zufolge am Freitag und dann wieder am Samstag mit den beteiligten Banken - darunter die federführenden Institute Deutsche Bank und Morgan Stanley - treffen. Der Ausgabepreis hatte nach der ursprünglichen Planung am Sonntag verkündet werden sollen.

Ein Frankfurter Analyst hatte gesagt, eine Absage des Börsengangs könnten sich weder die Banken noch die Post leisten. Ansonsten würde ein enormer Imageschaden entstehen, und auch die Politik in Berlin wünsche den Börsengang. "Die sind zum Erfolg verdammt", betonte der Analyst. (APA/Reuters/AFP)

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